Tag:

Mütter sind die leisen Heldinnen dieser Welt.
Nicht die aus Filmen oder Geschichten-
sondern die echten.
Die müden.
Die starken.
Die, die morgens zuerst wach sind
und nachts zuletzt schlafen.
Die mit tausend Gedanken einschlafen
und trotzdem noch fragen:
„Hast du genug gegessen?
Sie tragen Kinder
unter dem Herzen-
und oft ein Leben lang darin.
Sie halten kleine Hände,
bis diese groß genug sind,
loszulassen.
Und selbst dann
lassen sie niemals wirklich los.
Mütter trösten,
ermutigen,
fangen auf
und machen aus gewöhnlichen Tagen
ein Zuhause.
Oft vergessen sie sich selbst.
Weil sie lieber geben als nehmen.
Lieber sorgen als klagen.
Lieber tragen als fallen.
Manchmal sind sie laut
wie ein Sommergewitter.
Manchmal still
wie ein Nachtlicht im Flur.
Aber ihre Liebe bleibt.
Immer.
Heute ist Muttertag.
Und eigentlich ist ein einziger Tag
viel zu klein
für alles, was Mütter leisten.
Darum danke.
An alle Mütter dieser Welt.
An die starken und die erschöpften.
An die fröhlichen und die zweifelnden.
An die jungen und die alten.
An die lauten und die stillen.
Ihr seid das warme Licht
in so vielen Leben.

© Anne Seltmann
Anne Seltmann 10.05.2026, 00.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Der große Wal glitt langsam durch das tiefe Blau des Meeres, ruhig und majestätisch, als trüge er die Gelassenheit aller Ozeane in sich. Um ihn herum wirbelten unzählige kleine Goldfische wie flüssiges Sonnenlicht durchs Wasser. Sie tanzten um den stillen Giganten, neugierig, verspielt und ohne Angst.
Der Wal schien ihre hastigen Bewegungen kaum wahrzunehmen. Mit jedem langsamen Schlag seiner mächtigen Fluke zog er weiter durch das endlose Blau, als kenne er Wege, die älter waren als jeder Sturm und tiefer als jede Erinnerung. Auf seinem Rücken glitten silberne Lichtreflexe wie wandernde Wolken über dunkles Gestein.
Die Goldfische dagegen waren reine Unruhe. Mal schossen sie wie goldene Pfeile auseinander, mal sammelten sie sich zu leuchtenden Schwärmen, die im Sonnenlicht funkelten wie verstreute Münzen auf dem Meeresgrund. Einige wagten sich dicht an das Auge des Wals heran, als wollten sie herausfinden, welche Geheimnisse sich darin verbargen.
Doch in diesem Auge lag keine Bedrohung. Nur Ruhe. Eine uralte, beinahe traurige Ruhe, wie sie nur Wesen kennen, die seit Jahrhunderten die Ozeane durchwandern.
Manchmal öffnete der Wal langsam sein riesiges Maul und ließ gewaltige Wasserströme an sich vorbeiziehen. Die kleinen Goldfische flohen dann erschrocken auseinander, kehrten aber kurz darauf wieder zurück, als hätten sie verstanden, dass dieser sanfte Riese keinem Lebewesen etwas zuleide tun wollte.
Über ihnen brach das Sonnenlicht durch die Wasseroberfläche und verwandelte das Meer in eine schimmernde Welt aus Blau, Türkis und Gold. Es war, als hätte die Stille selbst begonnen zu leuchten.
Und während der Wal weiter durch die Tiefe zog, folgten ihm die kleinen Goldfische wie tanzende Gedanken…leicht, flüchtig und voller Leben.
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 08.05.2026, 10.07 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


flieg
kleiner schmetterling
durch die ränder des tages
wo das licht
nicht entscheidet
ob es bleiben will
deine bewegung
ein tastendes schreiben
in die luft
kein plan
nur richtung
die sich beim fliegen ergibt
du streifst
an dingen vorbei
die namen haben
und lässt sie
unberührt zurück
so le icht
dass selbst der wind
dich kaum festhalten kann
flieg
bis auch das sehen
dich verliert
und nur noch
ein leises
vielleicht
übrig bleibt

Anne Seltmann 07.05.2026, 06.23 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Rotgestromte Katzen fallen sofort auf. Dieses warme, flammende Fell wirkt oft wie mit Pinselstrichen gemalt – mal kräftig orange, mal kupferfarben, manchmal fast honiggolden. Und tatsächlich steckt hinter dieser besonderen Fellfarbe ein kleines genetisches Geheimnis.
Das „Rot bei Katzen entsteht durch ein spezielles Pigment, das sogenannte Phäomelanin. Es sorgt für die orangefarbenen bis rötlichen Töne im Fell. Verantwortlich dafür ist ein Gen auf dem X-Chromosom. Deshalb sind rotgestromte oder vollständig rote Katzen übrigens häufiger Kater als Katzen. Weibliche Tiere brauchen nämlich zwei entsprechende Gene, während bei Katern schon eines ausreicht.
Und dann wäre da noch die Zeichnung. Denn fast alle roten Katzen tragen eine Musterung in sich – selbst wenn sie auf den ersten Blick einfarbig wirken. Viele zeigen Streifen, Wirbel oder marmorierte Muster. Dieses „Gestromte gehört bei roten Katzen fast schon dazu wie die Schnurrhaare.
Spannend ist auch, dass rotgestromte Katzen oft als besonders charmant, neugierig oder verschmust beschrieben werden. Ob das wirklich an der Fellfarbe liegt oder eher daran, dass man ihnen wegen ihres auffälligen Aussehens automatisch mehr Charakter zuschreibt, bleibt wohl ein kleines Katzengeheimnis.
Anne Seltmann 06.05.2026, 06.15 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Dienstag ist Rot-Tag – und heute musste es einfach passen
Manchmal sind die Funde für meinen Dienstag gar nicht
spektakulär.
So auch diesmal. Ein rotes Auto – mehr nicht. Kein besonderes Modell, kein
glänzender Auftritt, einfach nur… rot. Und genau das war ja die Voraussetzung.
Ich hätte vermutlich keinen zweiten Blick darauf geworfen,
wenn da nicht das Kennzeichen gewesen wäre.
FLU-R.
Und plötzlich wird aus einem eher unscheinbaren Auto doch noch etwas, das hängen bleibt. Diese kleinen Buchstabenkombinationen haben ja manchmal ihren ganz eigenen Charme. Man steht davor und überlegt kurz, ob da wohl mehr dahintersteckt oder ob es einfach nur ein Zufall ist, der zufällig gut aussieht.
Das Auto selbst erfüllt also eher brav seinen Zweck für mein Projekt. Aber das Kennzeichen – das durfte heute die Hauptrolle übernehmen.
So wird mein Dienstag zwar nicht aufregender, aber immerhin ein kleines bisschen interessanter. Und manchmal reicht das ja auch schon.
Anne Seltmann 05.05.2026, 06.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Pusteblumen haben etwas Vergängliches – ein Hauch genügt,
und sie lösen sich auf.
Doch mit einem kleinen Trick lässt sich ihre zarte Schönheit bewahren.
Wird die feine Samenstruktur vorsichtig mit Wasser benetzt, legt sich die Leichtigkeit der einzelnen Schirmchen sanft an. Ein Hauch Haarspray fixiert anschließend dieses fragile Gefüge und hält die Form zusammen.
Das Pusten von Pusteblumen ist so ein kleines, unscheinbares Ritual – und doch steckt erstaunlich viel dahinter
Wenn wir die weißen, fluffigen Samenstände sehen, kommt fast automatisch der Impuls: pusten. Als Kinder machen wir es aus Spaß, als Erwachsene oft aus Gewohnheit – oder weil es etwas Beruhigendes hat.
Ganz praktisch:
Durch das Pusten lösen sich die Samen und werden vom Wind weitergetragen. Genau so sorgt die Pflanze dafür, dass sie sich verbreitet. Wir helfen also – ohne es zu merken – bei der „Reise der nächsten Generation.
Aber es ist auch mehr als das:
Pusteblumen pusten hat etwas Spielerisches. Für einen Moment wird alles leicht. Man hält kurz inne, atmet ein – und lässt los.
Und dann ist da noch die Symbolik:
Viele verbinden damit Wünsche. Einmal pusten, Augen schließen, und irgendwo fliegt ein kleiner Gedanke mit. Ob man daran glaubt oder nicht – es hat etwas Tröstliches.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir es tun:
Nicht nur, um Samen fliegen zu lassen –
sondern um für einen Moment selbst ein bisschen leichter zu werden .Anne Seltmann 03.05.2026, 14.24 | (4/3) Kommentare (RSS) | TB | PL

Im Tierpark Wismar ist mir dieses kleine, flauschige Wesen begegnet – und hat mich kurzerhand ein Stück begleitet, als hätte es beschlossen, dass ich jetzt zu seinem Gefolge gehöre. 
Bei dem neugierigen Verfolger handelt es sich um ein Seidenhuhn. Diese besondere Hühnerrasse fällt sofort durch ihr weiches, fast haarartiges Gefieder auf, das eher an Watte als an Federn erinnert. Sie wirken rund, plüschig und ein bisschen wie aus einem Märchen entsprungen.
Seidenhühner gelten als ausgesprochen zutraulich, ruhig und freundlich – was mein persönliches „Verfolgtwerden wohl ganz gut erklärt. Sie sind weniger für Höchstleistungen bekannt, dafür aber umso mehr für ihren Charme und ihre außergewöhnliche Erscheinung.
Kurz gesagt: ein Huhn, das man nicht vergisst – vor allem, wenn es einen einfach begleitet.
Anne Seltmann 02.05.2026, 06.09 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ich sehe nur selten fern, aber selbst dabei bleibt man
von Werbung nicht verschont.
Dabei schnappt man hier und da einige Werbesprüche auf, über die man oft nur
den Kopf schütteln kann.
Irgendwann habe ich mir dann die Mühe gemacht und angefangen, einige dieser
Texte zu sammeln.
Als erstes fällt mir dieser Werbespruch in den Sinn „Babys lieben es sich im Schlaf zu bewegen!" Dieser Satz klingt wie typisches Marketing-Deutsch: eine scheinbar emotionale Aussage, die eigentlich kaum etwas Konkretes sagt.
„Babys lieben es, sich im Schlaf zu bewegen wirkt deshalb schwachsinnig, weil Babys sich nicht bewusst entscheiden oder „lieben, sich zu bewegen. Bewegung im Schlaf ist bei Babys schlicht normaler Entwicklungs- und Reflexprozess. Der Werbespruch vermenschlicht das Verhalten, damit Eltern emotional angesprochen werden und das Produkt fürsorglicher wirkt.
Außerdem ist der Satz logisch etwas schief:
Wenn Babys sich im Schlaf bewegen, tun sie das automatisch—nicht weil
sie ein Bedürfnis formulieren wie ein Erwachsener. Dadurch klingt der Spruch
schnell künstlich oder manipulativ.
„Weil Ihr Baby nur das Beste verdient.
Klassiker. Niemand würde freiwillig sagen: „Mein Baby bekommt heute Mittelmaß.
Der Spruch erzeugt Schuldgefühl statt Information. Was genau ist denn „das
Beste? Meist nur ein normales Produkt mit Aufpreis.
„Für glückliche Nächte.
Als würde eine Windel oder Matratze plötzlich familiäre Harmonie herstellen.
Babys wachen trotzdem auf, Eltern bleiben müde. Der Satz verkauft eine
Fantasie.
„Natürlicher Komfort.
Einer der leersten Begriffe überhaupt. Fast alles kann als „natürlich
vermarktet werden. Baumwolle? Natürlich. Plastik in Beige? Plötzlich auch
„natürlich. Klingt gesund, sagt aber oft nichts.
„Entwickelt mit Liebe.
Nein. Entwickelt wurde es wahrscheinlich in Meetings, Excel-Tabellen und
Marketingrunden. Liebe ist kein technischer Qualitätsstandard.
„Inspiriert von der Natur.
Besonders lustig bei stark verarbeiteten Produkten mit 27 Inhaltsstoffen
und dreifacher Plastikverpackung.
„Premium.
Eines der am meisten missbrauchten Wörter überhaupt. Heute ist selbst
Tankstellen-Sandwich „Premium. Der Begriff ist fast bedeutungslos geworden.
„Der Geschmack von Freiheit.
Bei einem Energydrink! Du kaufst Zuckerwasser mit Koffein, keine politische
Revolution.
„Grenzenloser Fahrspaß.
Du stehst trotzdem 40 Minuten im Stau auf der A7.
„Mehr als nur ein Auto.
Stimmt. Meist auch Versicherung, Werkstattkosten, Wertverlust und
Parkplatzsuche.

Anne Seltmann 01.05.2026, 07.21 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL