Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Fisch

Freitag ist Fischtag N° 26



[KI generiertes Bild / Text © Anne Seltmann]




Der kleine Roboter Toni war nicht dafür gebaut, Gefühle zu haben. Seine Schaltkreise waren auf einfache Aufgaben programmiert: fegen, sortieren, aufräumen. Doch an einem Freitag, dem  Fischtag, geschah etwas Unerwartetes.

Am Ufer des Sees entdeckte er einen glitzernden Fisch, der im seichten Wasser zappelte. Der Roboter kniete sich unbeholfen hin, seine Metallhände zitterten leicht, als er den kleinen Körper aufhob. Für einen Moment hielt er inne. Etwas vibrierte in seinem Inneren, kein Signal, kein Befehl – etwas anderes.

Er drückte den Fisch vorsichtig an seine Brust, so fest er sich traute. Es war keine perfekte Umarmung, mehr ein seltsames Festhalten, doch in diesem Augenblick schien die Welt stillzustehen. Der Fisch blinzelte, der Roboter summte leise.

Und als er den glitschigen Freund behutsam zurück ins Wasser setzte, war da ein winziges Leuchten in seinen Augen, fast wie Freude.

Von da an wusste der kleine Roboter: Auch Maschinen können manchmal das Gefühl haben, dass ihr Herz nicht nur aus Schrauben besteht.



© Anne Seltmann




Anne Seltmann 19.09.2025, 05.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Freitag ist Fischtag N° 25



[KI generiertes Bild / Text © Anne Seltmann]



Der kleine Fisch hieß Fiora und sie war anders. Während die anderen Fische silbrig glänzten und sich im Schwarm unsichtbar machten, leuchtete Fiora in einem Feuerwerk aus Pink, Orange und Gold. Anfangs hasste sie diese Farben. Denn wo sie auch hinschwamm – alle starrten sie an. Manche mieden sie, andere tuschelten, und im Schwarm fühlte sie sich nie dazugehörig.

Oft versteckte sie sich zwischen Steinen, wünschte sich, so grau wie die anderen zu sein. Doch je mehr sie ihre Farben verbarg, desto trauriger wurde sie.

Eines Tages, als die Sonne tief ins Wasser fiel, bemerkte sie, dass sich das Licht auf ihren Schuppen brach. Der Meeresgrund verwandelte sich in ein funkelndes Mosaik aus warmen Tönen. Kleine Fische kamen neugierig herbei, angelockt von der Schönheit, die sie selbst gar nicht sah. "Wie schön!", riefen sie. "Du malst das Meer mit Licht!"

Da begriff Fiora, dass ihre Farben kein Makel, sondern ein Geschenk waren. Sie begann, stolz zu schwimmen, ihr Glitzern frei zu entfalten. Und von da an war sie nicht länger nur ein Fisch – sie war diejenige, die das Meer zum Leuchten brachte.



© Anne Seltmann




Anne Seltmann 12.09.2025, 06.14 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Freitag ist Fischtag N° 24








Anna bekam eine edle Pralinenschachtel geschenkt. Dunkelbrauner Karton, goldene Schrift, es sah nach purer Luxus-Schokolade aus. Erwartungsvoll öffnete sie den Deckel – und musste lachen. In der Schachtel lagen kleine Pralinen in Form von Fischen. Jede war liebevoll gestaltet und in Folie verpackt.
"Das sieht ja fast zu schön zum Essen aus", murmelte sie.
Ihr Mann grinste: „Wenn du die alle aufisst, brauchst du hinterher noch eine Angel, um Nachschub zu fangen."
Anna probierte vorsichtig die erste Praline. Überraschung: Kein Fischgeschmack, sondern cremige Haselnussfüllung. Sie lachte erleichtert. „Na Gott sei Dank, ich hatte schon Angst vor Schoko-Hering."
Am Ende des Abends war die Schachtel leer. Anna wischte sich die Schokospuren von den Fingern und grinste: „Und morgen erzähle ich allen, ich hätte ein ganzes Aquarium aufgegessen."









Anne Seltmann 05.09.2025, 05.23 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Drabble 2025 N° 27



[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]


Wortvorgaben für das 100 Wörter-Drabble: 

Fischfang + (sich) aufhalten + bedeckt,


Früh am Morgen hielt sich Paul am Teich auf. Die Angel stand schräg im Halter, der Schwimmer wippte leicht. Der Himmel war dicht mit schweren grauen Wolken bedeckt, Regen hing in der Luft. Es ging ihm nicht nur um den Fischfang, sondern um die Ruhe. Das Warten, das Beobachten, die Thermoskanne mit Kaffee neben seinem Hocker. Eine Ente zog vorbei, ein Radfahrer rauschte irgendwo in der Ferne. Kein Biss. Kein Fang. Aber Paul blieb. Er wollte sich schließlich nicht mehr treiben lassen, sondern den Tag in seiner Langsamkeit spüren. Für ihn war das Aufhalten hier schon genug, ganz ohne Beute












Anne Seltmann 30.08.2025, 15.37 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Freitag ist Fischtag N° 23



[KI generiertes Bild / Text © Anne Seltmann]



Es war einer dieser langweiligen Fernsehabende.
Der Bildschirm flimmerte schon seit Stunden, doch das Programm wollte nicht recht greifen. Plötzlich huschte ein Schatten durch die Mattscheibe, als hätte sich die Technik selbst verschluckt. Dann, ohne Vorwarnung, schwamm ein goldorangener Fisch mitten in den grauen Wellen des Fernsehlichts auf und ab.

Der Ton verstummte, das Rauschen fiel in sich zusammen, und anstelle von Nachrichten und Serien sah man nun Wasser, Wolken und die anmutige Bewegung der Flossen. Der Fisch drehte sich einmal um sich selbst, als wolle er prüfen, ob das Publikum auch aufmerksam genug zusah. Auf dem Gehäuse des alten Geräts legte sich eine feine Spur von Wassertropfen ab, die wie Glasperlen funkelten.

Und da war noch mehr: aus den Knöpfen sprossen zarte Blumen, filigrane Blüten, die man eher in einem Traum als in einem Wohnzimmer erwartet hätte. Schmetterlinge flatterten aus dem unsichtbaren Spalt zwischen Bildschirm und Realität.

Der Abend, der mit Langeweile begann, verwandelte sich in ein Fenster in eine andere Welt – eine, in der Technik nicht nur sendet, sondern träumt. Der Fisch schwamm weiter, seelenruhig, und man fragte sich: Wer beobachtet hier eigentlich wen?


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Anne Seltmann 29.08.2025, 00.00 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Freitag ist Fischtag N° 22



[KI generiertes Bild / Text © Anne Seltmann]


Der Markt war voller Stimmen, Gerüche und Farben. Zwischen den Ständen blieb eine junge Frau stehen, wo das Silber der Fische im Morgenlicht aufblitzte. Sie wählte sorgfältig, ließ sich Zeit, als würde jeder einzelne Fang eine kleine Geschichte in sich tragen. Mit einem Lächeln legte der Händler ihr die frischesten Exemplare in den Korb.

Als sie weiterging, spürte sie das Gewicht des Korbes wie ein Versprechen. Sie dachte an das Essen am Abend, an Freunde, die um den Tisch sitzen würden, an das leise Klirren von Gläsern und die Wärme von Kerzenlicht. Der Fisch war mehr als nur eine Mahlzeit – er war der Anfang eines Tages, der nach Gemeinschaft schmeckte.





Anne Seltmann 22.08.2025, 06.16 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Freitag ist Fischtag N° 21


[KI generiertes Bild / Text © Anne Seltmann]


Der Morgen lag still über dem Teich. Nebelfäden tanzten auf der Wasseroberfläche, und irgendwo in der Ferne sang eine Lerche. Auf langen, schlanken Beinen stand ein Storch regungslos im Teich . Er wirkte wie eine Statue aus Silber und Weiß, nur seine Augen blitzten wachsam, bereit, jede Bewegung unter der Wasserhaut zu erkennen.

Plötzlich blitzte etwas Goldenes auf. Ein Fisch – nein, ein Goldfisch – zog in eleganten Kreisen vor den Storch. Seine Schuppen funkelten im frühen Sonnenlicht, als hätte er kleine Sonnenstrahlen eingefangen. Der Storch beugte den Hals, bereit für einen schnellen Stoß.

"Warte!" rief der Goldfisch, und seine Stimme perlte wie Wasser über Kiesel. "Bevor du mich frisst, solltest du wissen, dass ich dir mehr geben kann als nur einen schnellen Bissen."

Der Storch blinzelte überrascht."Und was sollte das sein? Ich bin ein Storch – ich brauche Futter, nicht Geschichten."

"Geschichten sind manchmal wertvoller als Futter", erwiderte der Goldfisch und drehte eine glitzernde Pirouette. "Ich bin ein Wächter des Teiches. Wer mir zuhört, erfährt, wo das Wasser am klarsten, die Fische am zahlreichsten und die Ruhe am tiefsten ist. Ich könnte dir zeigen, wie du immer satt wirst – ohne jemals jagen zu müssen."

Der Storch legte den Kopf schief. "Und warum sollte ich dir glauben?"

"Weil du sonst nur mich bekommst", sagte der Goldfisch, "und ich bin winzig. Aber wenn du mich am Leben lässt, bekommst du den ganzen Teich."

Der Storch dachte nach. Der Gedanke an einen Teich voller Beute, der sich ihm bereitwillig zeigte, war verlockend. Schließlich richtete er sich auf, nahm einen Schritt zurück und lächelte – so gut ein Storch eben lächeln konnte.

"Gut, Goldener", sagte er. "Zeig mir den Teich."

Und so schwamm der Goldfisch voraus, während der Storch am Ufer folgte. Der Nebel wich, die Sonne stieg höher, und an diesem Morgen lernten beide etwas Neues: Der eine, dass Gnade mehr bringen kann als Gier, und der andere, dass selbst ein Storch zuhören kann, wenn die Geschichte gut genug ist.




Anne Seltmann 15.08.2025, 06.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Freitag ist Fischtag N° 20




[KI generiertes Bild / Text © Anne Seltmann] 



Stell dir vor, der Junge hieß Jona. Er hatte keine Ahnung, wie er auf diese Wolken gekommen war – eines Morgens wachte er einfach dort oben auf, weich eingebettet wie in das größte Federbett der Welt. In seiner Hand hielt er eine lange, schimmernde Angel, deren Schnur nicht ins Wasser, sondern ins Blau des Himmels reichte.

Um ihn herum schwebten Fische – nicht aus Fleisch und Schuppen, sondern aus glitzerndem Licht. Sie zogen ihre Kreise durch die Luft, als wäre das völlig normal, und manchmal streifte einer sanft seine Wange, wie um Hallo zu sagen. Jona angelte nicht, um sie zu fangen, sondern um mit ihnen zu reden. Jeder Fisch erzählte ihm eine kleine Geschichte, wenn er an der Schnur zupfte: von tiefen Meeren, in denen der Mond schläft, von Strömungen, die wie Lieder klingen, und von Reisen zu Orten, die kein Mensch je gesehen hat.

Und so saß Jona Tag für Tag dort oben, lauschte den Geschichten und ließ sie weiterziehen. Manchmal fragte er sich, ob er jemals wieder hinunter zur Erde gehen wollte – aber dann lächelte er. Denn er wusste: Solange die Wolken ihn trugen, würden die Fische ihm immer den Weg zu neuen Wundern zeigen.


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Anne Seltmann 08.08.2025, 06.01 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Freitag ist Fischtag N° 19





[KI generiertes Bild / Text © Anne Seltmann] 





Die Geschichten im Schuppenkleid 

Tief unten im Meer lebte ein kleiner Fisch, der anders war als alle anderen. Seine Schuppen waren schlicht, doch sein Körper war über und über mit Knöpfen geschmückt. Große, kleine, bunte und schimmernde Knöpfe – jeder mit einer eigenen Form und einem eigenen Geheimnis.

Die anderen Meeresbewohner wunderten sich und fragten ihn oft: "Warum trägst du all diese Knöpfe?" Der Fisch lächelte sanft und antwortete: "Jeder Knopf erzählt von einem Moment, den ich nicht vergessen will."

Einen roten Knopf hatte er einst am Strand gefunden, als eine Welle ihn ins Meer gespült hatte – er erinnerte ihn an einen Sommertag voller Wärme. Ein goldener Knopf kam von einem Seestern, der ihm einst geholfen hatte, sich vor einem Sturm zu verstecken. Manche Knöpfe waren Geschenke von Freunden, andere Erinnerungen an kleine Abenteuer, die er ganz allein erlebt hatte.

Wenn das Sonnenlicht ins Wasser fiel, glitzerten die Knöpfe wie winzige Sterne, die zwischen den Wellen tanzten. Und jedes Mal, wenn jemand den kleinen Fisch ansah, fühlte er sich ein bisschen glücklicher, als hätte er selbst eine dieser Geschichten berührt.



© Anne Seltmann




Anne Seltmann 01.08.2025, 06.25 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 233







Manche Boote haben Geschichten in ihren Planken, die kein neues Schiff je tragen könnte. Wenn ich an den Kais entlangspaziere und ein altes Fischerboot entdecke, halb von Salz und Wind zerfressen, zieht es mich magisch an. Da sind diese Risse im Holz, die Spuren von unzähligen Tagen auf dem Wasser, die blinden Fenster der Kajüte, die einst dem Horizont entgegengeblickt haben. Manchmal duftet das Holz noch nach Meer, manchmal nach vergangener Arbeit und altem Diesel.

Ich weiß, sie werden zerfallen, vielleicht schon morgen, vielleicht im nächsten Sturm. Und trotzdem liebe ich sie. Vielleicht gerade deswegen. Sie sind wie stille Zeugen einer Zeit, in der die Menschen mit einfacheren Mitteln fuhren, als das Meer noch nicht von GPS-Linien durchzogen war, sondern von Hoffnung, Erfahrung und Mut.

Ein marodes Boot ist für mich kein Schandfleck. Es ist ein Gedicht, das das Meer geschrieben und die Zeit langsam verwischt hat – aber nicht so sehr, dass man es nicht mehr lesen könnte.












Anne Seltmann 30.07.2025, 07.13 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL