Tag: Marius


In Eis und Schnee
in eis und schnee
ruht alles,
was einmal bewegung war.
kälte hält fest,
was sonst vergeht.
zeit steht still
zwischen weiß
und schweigen.
nichts drängt,
nichts verlangt.
nur das dasein
im frost.
in eis und schnee
wird das leise
sichtbar.
~*~
© Anne Seltmann

Marius...
Anne Seltmann 22.01.2026, 05.38 | (3/2) Kommentare (RSS) | TB | PL


Inventar der Bäume
Heute tragen die Bäume
ihr zweites Gewicht.
Nicht das der Jahre,
nicht das der Ringe,
sondern ein helles,
geliehenes Weiß.
Jeder Ast
ein vorsichtiges Regal,
auf dem der Winter
sein Geschirr abstellt.
Die Fichten stehen da
wie Tiere, die gelernt haben
ganz still zu atmen.
Birken –
mit Schultern aus Schnee,
als hätten sie sich
für etwas entschuldigt.

Der Garten wird langsam
zu einem Archiv
von Formen, die sonst
nur der Wind kennt.
Man könnte meinen,
die Stämme hörten zu,
wie die Flocken
leise ihren Namen sagen.
Unter der Last
beugen sie sich
in einer geduldigen Grammatik:
Satzzeichen aus Holz und Kälte.
Ich gehe hindurch
und trage das Knirschen
an den Schuhen davon,
als kleine Beweise.
Gegen Abend
wird alles schwerer,
auch das Licht.
Dann hängen die Bäume
voller Schnee
wie unausgesprochene Sätze –
schön
und ein wenig gefährdet.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 15.01.2026, 10.37 | (2/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Das alte Sprichwort "Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde" ist auch im Jahr 2026 so aktuell wie eh und je. Es ist die Wärme ihres Fells, der Duft nach Heu und Freiheit und das Gefühl, von einem so stolzen Wesen bedingungslos angenommen zu werden. Pferde verbinden Stärke und Eleganz wie kaum ein anderes Tier. Wenn sie über die Weide rennen, wirken sie schwerelos... als würden sie für einen Augenblick die Erde verlassen und nur noch aus Bewegung, Wind und Licht bestehen.

Anne Seltmann 08.01.2026, 06.31 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

In dieser Collage habe ich meine Naturmomente aus dem ganzen Jahr gesammelt – all die Beiträge, die ich für Marius` Nature Thursday teilen durfte. Vielleicht fehlt irgendwo noch ein Bild, aber mein Herz ist in jedem einzelnen dabei.
Jetzt, wo das Jahr leise ausklingt, merke ich erst, wie sehr mich dieses Projekt begleitet hat: hinausgehen, genauer hinsehen, staunen.
Lieber Marius, danke für deine Idee, deine Zeit und dein Dranbleiben.
Und wie schön, dass es weitergeht – ich freue mich darauf, auch im neuen Jahr wieder Natur mit dir und euch allen zu entdecken.
Anne Seltmann 25.12.2025, 07.58 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Hörst du das leise Rascheln im Wind
Hafer und Gräser neigen sich sanft
und berühren sich wie alte Freunde
ein Wispern zieht über die Felder
vom Sommer, der längst vergangen ist
von Sonnenstrahlen, die auf den Halmen tanzen
und von Schatten, die sich zwischen den Ähren verlieren.
Es ist ein Atemholen der Natur
ein Flüstern, das nur die Stille versteht
die kleinen Bewegungen zwischen Licht und Erde
ein Augenblick, der kaum zu fassen ist
und doch alles erzählt, was Zeit bedeutet
und wie das Leben leise weitergeht
in den Rändern von Feldwegen
zwischen den Wurzeln der Gräser
und dem Himmel, der sich sanft über alles legt.
Hier kann man stehen und hören
ohne zu fragen, ohne zu greifen
nur sein und lauschen
dem leisen Gespräch der Halme
dem Tanz der Lüfte
und dem kleinen Wunder, dass alles still spricht,
wenn man nur aufmerksam genug ist.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 18.12.2025, 00.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL



Die Basteifelsen in der Sächsischen Schweiz wirken, als hätte die Natur eine Bühne geschaffen, die gleichzeitig wild, majestätisch und beinahe märchenhaft ist. Die hoch aufragenden Sandsteinformationen stehen wie steinerne Figuren über der Elbe und formen eine Landschaft, die in ihrer Dramatik kaum zu übertreffen ist. Zwischen den Felsen öffnen sich schmale Durchblicke, tiefe Schluchten und weite Panoramen, die je nach Lichtstimmung geheimnisvoll, sanft oder überwältigend erscheinen.
Die besondere Attraktion ist eine eindrucksvolle Aussichtsplattform, die sich zwanzig Meter in die Landschaft streckt und etwa zehn Meter frei über dem vorderen Teil des Basteifelsens zu schweben scheint. Sie eröffnet einen Weitblick, der das gesamte Elbtal und das umliegende Elbsandsteingebirge in ihrer ganzen Größe sichtbar macht. Seit ihrer Wiedereröffnung steht sie allen Besuchern offen und führt direkt zu jener berühmten Basteiaussicht, die zu den bekanntesten Panoramen in Sachsen zählt.



Anne Seltmann 04.12.2025, 06.49 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Nussknacker gehören zu den charmantesten Figuren der Weihnachtstradition – und ihre Geschichte ist so märchenhaft wie ihr Aussehen.
Ihre Wurzeln liegen in Deutschland, genauer im Erzgebirge. Dort entstand im 17. und 18. Jahrhundert die Tradition der Holzschnitzerei, weil viele Bergleute in den langen Wintern ein zweites Einkommen brauchten. Aus dem Handwerk wurden kleine Kunstwerke – Räuchermännchen, Pyramiden und eben auch Nussknacker.
Der legendäre "Vater des Nussknackers" gilt Wilhelm Füchtner aus Seiffen. Er entwickelte Ende des 19. Jahrhunderts die typische Gestalt: ein strenger, meist aufrechtstehender Mann mit Uniform, Schnurrbart und kräftigem Hebelmaul. Die Figuren stellten Autoritätspersonen dar – Gendarmen, Offiziere, Könige, Pförtner. Ein kleiner Triumph aus Holz: Wer ihn bedient, bezwingt die Autorität mit einer einzigen Nuss.
Der Nussknacker wurde später weltberühmt, als E.T.A. Hoffmann 1816 das Kunstmärchen "Nussknacker und Mausekönig" schrieb, und Tschaikowski dieses in sein weltbekanntes Ballett verwandelte. Seitdem steht die Figur nicht nur für Handwerk, sondern für Fantasie, Märchen und Weihnachtsträume.
Bis heute wird der echte Erzgebirgische Nussknacker in Handarbeit hergestellt. Jeder ist ein kleines Unikat aus gedrechseltem Holz, liebevoll bemalt und dekoriert.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum wir sie so lieben: Sie erinnern uns an eine Zeit, in der einfache Dinge etwas Magisches hatten. Nussknacker sind etwas zwischen Kunst, Tradition und Kindheitsgefühl – und jedes Jahr kommen sie zurück, um uns zu zeigen, wie nah Märchen an der Wirklichkeit liegen.
Anne Seltmann 02.12.2025, 10.36 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Ich gehe gerne in den Botanischen Garten hier in Kiel. Obwohl ich schon jahrelang dorthin gehe, entdecke ich immer wieder etwas Neues. Oder ich fotografiere zum hundertsten Mal wie der einmal die Pflanzen im Tropenhaus. Das Tropenhaus ist für mich jedes Mal wie ein kleiner Kurzurlaub. Luftfeuchtigkeit, Wärme, diese riesigen Blätter. Nur gibt es dort ein kleines Problem, das wohl jede Kamera kennt: Sie beschlägt sofort, sobald man aus der kalten Außenwelt hineintritt. Der Feuchtigkeitsschock schlägt erbarmungslos zu.
Dabei ist die Lösung so simpel wie genial. Eine Kamera braucht genau das gleiche wie wir, wenn wir in so ein warmes Treibhaus gehen. Einen Moment Zeit zum Ankommen. Ich lasse sie deshalb immer erst in der Tasche oder eingewickelt in einem Tuch. Kein Stress, keine Hektik. Die Kamera darf sich langsam an die neue Umgebung gewöhnen und meistens verhindert das schon, dass sich feuchte Luft auf Glas oder Sensor legt.

Falls es doch passiert, gilt die goldene Regel: kein hektisches Herumreiben mit Pullover oder Jackenärmel. Das verschmiert und hinterlässt nur Spuren. Besser einfach einen Moment warten oder ganz behutsam mit einem Mikrofasertuch arbeiten. Die Feuchtigkeit verschwindet von selbst, wenn man sie lässt. Noch ein kleiner Trick, den ich liebe und der erstaunlich zuverlässig funktioniert: Die Kamera schon draußen in eine Tüte stecken, drinnen ein paar Minuten warten und erst dann fotografieren. Auf diese Weise hat sie genug Zeit, sich zu akklimatisieren. Und ein letzter Hinweis aus eigener Erfahrung: Die Kamera nicht nah am Körper tragen. Die Wärme macht alles nur schlimmer.
Seit ich diese Gewohnheiten habe, schaffe ich es fast jedes Mal ohne beschlagene Linse. Und dann steht dem schönsten Moment im Tropenhaus nichts mehr im Weg. Dieses Gefühl, wenn die ersten Bilder gelingen und alles dampft und glänzt. Genau dafür gehe ich immer wieder gerne hin.
Anne Seltmann 27.11.2025, 07.45 | (2/2) Kommentare (RSS) | TB | PL

Schloss Linderhof wirkt wie ein Ort, an dem Geschichte, Natur und ein Hauch von König Ludwigs Eigenwilligkeit sehr harmonisch zusammenkommen. Es ist das kleinste seiner Schlösser, aber vielleicht das persönlichste – und genau das spürt man sofort.
Wenn man den Park betritt, fällt zuerst die Ruhe auf. Alles ist sorgfältig angelegt: symmetrische Wege, gepflegte Beete, Wasserläufe, die das Gelände strukturieren, ohne übertrieben zu wirken. Der Park ist nicht monumental, sondern übersichtlich und angenehm, fast so, als wäre er tatsächlich zum Verweilen gedacht und nicht nur zum Staunen auf Distanz.

Das Schloss selbst überrascht doppelt: außen eher zurückhaltend, innen dann voller Detailfreude, Farben und Gold. Jeder Raum zeigt mehr von Ludwigs Wunsch nach Schönheit und Rückzug als von großer Repräsentation. Besonders spannend sind die kleinen Eigenheiten wie der Tisch, der im Boden versinken kann – lauter Details, die etwas über den Menschen hinter der Königskrone erzählen. Fotografieren durfte man im Inneren allerdings nicht, was schade ist, aber gleichzeitig dafür sorgt, dass man bewusster schaut und nicht nur durch die Linse denkt.

Linderhof vermittelt das Gefühl, einen sehr menschlichen Teil des Märchenkönigs kennenzulernen: seinen Geschmack für das Verspielte, seine Sehnsucht nach Stille, seine Liebe zu kunstvollen Räumen. Zwischen Wald, Bergen und der sorgfältig gestalteten Parkanlage entsteht ein Bild, das klar macht, warum er sich gerade hier seinen persönlichen Rückzugsort schuf.
Ein Besuch lohnt sich, wenn man historische Orte mag, die nicht überwältigen, sondern einladen, genauer hinzuschauen. Linderhof ist weniger Märchen und mehr Persönlichkeit – und genau das macht seinen Charme aus.

20.11.2025, 07.36 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL