Tag: Marius

Drei tierische Persönlichkeiten und jede Menge Meinung
Ein Besuch im Tierpark Gettorf – wo selbst die Tiere ihren ganz eigenen Kopf haben.
Neulich war ich wieder im Tierpark Gettorf unterwegs (wie ich im letzten Beitrag schon einmal erwähnte) und habe euch bereits einige tierische Eindrücke mitgebracht. Aber natürlich gibt es dort noch mehr Fellnasen und gefiederte Persönlichkeiten, die unbedingt vor die Kamera wollten. Oder zumindest so taten, als wäre ihnen mein Besuch völlig egal. Was vermutlich auf dasselbe hinausläuft.
Da wäre zunächst dieser Lemur. Er sitzt da, die Hände ordentlich vor dem Bauch gefaltet, den Blick nach oben gerichtet. Fast könnte man meinen, er hätte gerade eine philosophische Frage gestellt und warte nun auf die Antwort des Universums. Vielleicht überlegt er aber auch nur, ob es zum Frühstück heute ausnahmsweise etwas anderes gibt als immer dieselben Leckereien. Dieser Blick jedenfalls sagt eindeutig: Ich hätte da noch ein paar Anmerkungen!

Ganz anders unser schwarz-weißer Kaninchenfreund (Riesenkaninchen). Vor ihm liegt ein Zweig, und er schaut, als müsse er erst einmal eine gründliche Risikoanalyse durchführen, bevor er sich diesem Grünzeug nähert. Vielleicht ist es aber auch einfach ein Kaninchen mit Prinzipien. Nicht jeder Ast wird schließlich kommentarlos akzeptiert! Man muss Prioritäten setzen, selbst im Kaninchenleben.

Und dann dieses Erdmännchen! Auf seinem Felsen hockt es wie ein kleiner Wachposten, die Pfötchen akkurat aufgestützt, den Blick aufmerksam nach vorn gerichtet. Es sieht aus, als hätte es gerade Dienstbeginn und müsse nun die gesamte Umgebung kontrollieren. Wer kommt, wer geht, wer hat etwas Essbares dabei? Nichts entgeht diesem kleinen Aufpasser. Vermutlich führt es sogar eine geheime Liste über sämtliche Besucher, die sich nicht an die ungeschriebenen Regeln des Tierparks halten.
Ich liebe solche Momente. Man muss gar nicht viel inszenieren, keine großen Kunststücke erwarten und schon gar nicht mit der Kamera hinterherjagen. Manchmal genügt es, geduldig zu beobachten. Dann entstehen diese Bilder, in denen ein winziger Augenblick eine ganze Geschichte erzählt.
Und natürlich weiß ich, dass wir Menschen den Tieren dabei gern unsere eigenen Gedanken und Gefühle andichten. Aber Hand aufs Herz: Bei diesen Gesichtern darf man doch wenigstens ein bisschen fantasieren, oder?
Der Tierpark Gettorf ist jedenfalls immer für eine Überraschung gut. Und ich? Ich nehme nicht nur Fotos mit nach Hause, sondern auch eine ordentliche Portion Schmunzeln.
Drei Tiere, drei Charakterköpfe – und ich mittendrin mit meiner Kamera.
Wer weiß, vielleicht haben die drei hinter meinem Rücken längst beschlossen, mich beim nächsten Besuch genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich sollte mich wohl besser benehmen. Man weiß ja nie, wer hier eigentlich wen beobachtet!
Anne Seltmann 29.10.2026, 08.01 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Wenn Farben schweigen, beginnt das Licht zu erzählen
Manchmal braucht ein Bild keine Farben. Im Gegenteil: Es gibt Motive, die in Schwarz-Weiß eine ganz besondere, beinahe magische Wirkung entfalten. Sie erscheinen eindringlicher, geheimnisvoller und manchmal sogar ehrlicher als ihre farbigen Gegenstücke.
Aber warum ist das so?
Schwarz-Weiß lenkt unseren Blick auf das Wesentliche. Ohne die Ablenkung durch bunte Farben nehmen wir Formen, Linien, Strukturen und Kontraste viel bewusster wahr.
Natürlich ist nicht jedes Motiv in Schwarz-Weiß eindrucksvoller. Manchmal sind es gerade die Farben, die eine Stimmung tragen oder einem Bild seine Seele geben. Doch wenn Farbe nicht mehr gebraucht wird, um etwas zu erklären, entsteht Raum für eine andere Art des Sehens.
Vielleicht ist es genau das, was mich an der Schwarz-Weiß-Fotografie so fasziniert: Sie nimmt uns nichts weg, sondern schenkt uns einen neuen Blick. Sie reduziert die Welt auf Licht, Schatten und Gefühl – und lässt uns dadurch manchmal mehr erkennen, als wir zuvor gesehen haben.
Marius...
Anne Seltmann 22.10.2026, 07.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL



Ein schöner Tag mit unserem Enkelmädchen
Am Wochenende waren wir mit unserem Enkelmädchen und ihren Eltern im Tierpark Gettorf verabredet. Es sind diese kleinen gemeinsamen Ausflüge, die mir Freude machen – zusammen unterwegs sein, Tiere beobachten und einfach die Zeit miteinander genießen.
Besonders angetan hatte es mir dieser wunderschöne Scharlachara in der freizugänglichen Vogelvoliere. Mit seinem leuchtend roten Gefieder und den grünen und blauen Flügeln ist er ein echter Farbkünstler. Ursprünglich stammt er aus den tropischen Wäldern Mittel- und Südamerikas. Dort lebt er in den Baumkronen und ist mit seinem kräftigen Schnabel ein geschickter Kletterer.
Was mich besonders begeistert hat: Die Vögel in der Voliere sind erstaunlich zutraulich. Sie kommen auf die Hand und lassen sich aus nächster Nähe beobachten. So eine Begegnung ist schon etwas Besonderes! Man vergisst dabei beinahe die Zeit und könnte den gefiederten Besuchern noch eine ganze Weile zusehen.
Die Besuche im Tierpark gefallen uns immer wieder, sodass wir uns nun endlich eine Jahreskarte gekauft haben. Das bedeutet: Wir können jederzeit wiederkommen, neue Tiere entdecken und noch viele schöne Stunden miteinander verbringen.
Ich freue mich schon auf unseren nächsten Besuch. Wer weiß, wem wir dann begegnen – und welches tierische Fotomotiv mir vor die Linse kommt!
Anne Seltmann 22.10.2026, 06.21 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Festung Königstein – ein Wiedersehen beim Bilder-Sichten
Eigentlich hatte ich die Festung Königstein auf unserer Dresden Reise im Jahr 2024 schon einmal in einem Blogbeitrag erwähnt. Damals habe ich euch bereits ein bisschen von unserem Besuch auf diesem beeindruckenden Felsen erzählt.
Und heute Morgen passierte dann etwas ganz anderes: Beim Sichten meiner Fotos für Marius Naturdonnerstag liefen mir plötzlich diese Bilder wieder über den Weg. Und wie das ebenso ist mit alten Fotos – kaum sieht man sie wieder, sind auch die Erinnerungen sofort zurück.
Also dachte ich mir: Warum nicht noch einmal einen kleinen Abstecher zur Festung Königstein machen?
Schließlich ist dieser gewaltige Ort viel zu schade, um ihn einfach in irgendeinem Fotoordner verschwinden zu lassen. Hoch über der Elbe gelegen, wirkt die Festung schon von weitem beeindruckend. Und wenn man erst einmal oben angekommen ist, eröffnet sich eine fantastische Aussicht über das Elbsandsteingebirge und die Landschaft der Sächsischen Schweiz.
Also gibt es heute ein kleines Wiedersehen mit Königstein – nicht, weil ich euch etwas Neues erzählen könnte, sondern weil manche Orte es einfach verdient haben, noch einmal aus dem Bilderarchiv hervorgeholt zu werden.
Und manchmal braucht es dafür eben nur einen ganz normalen Donnerstagmorgen und ein paar Fotos, die einem plötzlich wieder vor die Augen kommen. Leider war das Wetter zu diesem Zeitpunkt nass und kalt, deshalb sind die Bilder alle etwas grau.
Anne Seltmann 09.10.2026, 10.53 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


im grünen meer
plötzlich dieses eine Blatt,
das anders zählt
vier blätter
statt drei.
als hätte die wiese
kurz den atem angehalten
und gesagt:
heute
darf etwas
mehr sein.
ich nehme es nicht mit,
ich lasse es wachsen
unter meinem blick.
denn vielleicht
ist glück gar nichts,
was man festhält,
sondern nur
der augenblick,
in dem man es
erkennt.
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 24.09.2026, 08.12 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL



03.09.2026, 05.29 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Neulich hat mich jemand gefragt, woran man eigentlich schnell erkennen kann, welches Getreide man vor sich hat – besonders wenn es um die kleinen feinen Grannen an den Ähren geht. Es gibt einen herrlich einfachen Merkspruch:
„Wo ein G drin ist, sind auch Grannen.
Damit lassen sich die vier klassischen Getreidearten ganz leicht merken: Gerste und Roggen haben ein G und tragen Grannen, während Weizen und Hafer kein G im Namen haben und in der einfachen Faustregel grannenlos bleiben.
Natürlich ist die Natur nicht immer ganz so ordentlich wie ein Merkspruch – es gibt beispielsweise auch begrannte Weizensorten. Aber für die schnelle Orientierung ist die Regel wirklich praktisch.
So kann man jedenfalls beim nächsten Spaziergang ganz bestimmt auf die Ähren schauen und vor sich hin murmeln:
G wie Gerste, G wie Roggen – G wie Grannen.
Und manchmal sind es eben die kleinen Dinge, die man plötzlich viel genauer betrachtet.
27.08.2026, 04.56 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Begegnung mit der Loth Loriën – Eine Schönheit unter Segeln
Es gibt diese Momente während der Windjammerparade, in denen der Blick plötzlich an einem Schiff hängen bleibt. Zwischen all den imposanten Großseglern entdeckte ich die "Loth Loriën" – elegant, stolz und mit einer Ausstrahlung, die sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog.
Schon ihr Name weckt Erinnerungen an geheimnisvolle Wälder und magische Welten. Tatsächlich stammt der Name "Loth Loriën"aus J. R. R. Tolkiens Fantasiewelt und steht für einen Ort voller Schönheit und Ruhe. Ein passender Name für ein Schiff, das so anmutig über die Ostsee gleitet.
Dabei begann ihre Geschichte alles andere als märchenhaft. Gebaut wurde sie bereits "1907" im norwegischen Bergen – damals noch als Heringslogger unter dem Namen "Njørd". Jahrzehntelang verrichtete sie harte Arbeit auf See, bevor sie Ende der 1980er-Jahre in den Niederlanden liebevoll restauriert und Schritt für Schritt zu dem beeindruckenden Dreimastsegler umgebaut wurde, der sie heute ist. Seit 2009 fährt sie als elegante Barkentine unter niederländischer Flagge.
Mit ihren weißen Segeln und den drei Masten wirkt die "Loth Loriën" fast schwerelos. Während sie im Verband der Windjammer über die Kieler Förde zog, schien sie den Wind nicht zu nutzen, sondern mit ihm zu tanzen. Genau diese Leichtigkeit macht den Zauber solcher historischen Segelschiffe aus.
Wer möchte, kann auf der "Loth Loriën"sogar selbst mitsegeln. Das Schiff bietet Platz für Tagesgäste und längere Segeltörns, bei denen Mitsegler auf Wunsch auch aktiv beim Segeln mithelfen können.
Für mich war die Begegnung mit der "Loth Loriën" einer dieser kleinen Höhepunkte der Windjammerparade. Zwischen Himmel, Wasser und Wind erinnerte sie daran, dass manche Schiffe weit mehr sind als nur historische Zeitzeugen. Sie erzählen Geschichten von vergangenen Zeiten, von harter Arbeit auf See, von Leidenschaft und von Menschen, die alten Schiffen neues Leben schenken.
Vielleicht ist genau das das Schönste an der Windjammerparade: Hinter jedem Schiff verbirgt sich eine eigene Geschichte. Man muss nur genau hinsehen – und sich einen Moment Zeit nehmen, sie zu entdecken.
Anne Seltmann 03.08.2026, 10.17 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Zwischen Regen und Atem
der kaffee
atmet
kleine wolken
in den morgen
draußen
schreibt der regen
mit durchsichtiger tinte
an die scheiben
kein wort
bleibt lange
nur das licht
legt seine hand
auf den tisch
als wollte es sagen:
bleib
nicht alles
was still ist
ist einsam
manches
ist einfach nur
bei sich
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 31.07.2026, 04.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL


"Ach schau mal, eine gefüllt blühende < Prunus serrulata Shirotae >."
Ich gehe durch denselben Park und denke: „Oh... hübsch. Damit endet mein botanisches Fachwissen.
Früher war für mich die Pflanzenwelt ohnehin übersichtlich.
Baum.
Blume.
Busch.
Mit etwas Glück kann ich noch zwischen Tanne und Palme und heimische Bäume unterscheiden. Bei Blumen bin ich auch nicht ganz so firm. Bei allem anderen wird es schwierig für mich.
Neulich fotografierte ich einen wunderschön blühenden Baum. Weiße Blüten, frisches Grün, einfach traumhaft.
Natürlich wollte ich wissen, was da eigentlich vor meiner Kamera stand. Also zückte ich – ganz modern – erst einmal meine Pflanzen-App. Die App dachte kurz nach und warf mir einen Namen entgegen, der sich eher wie ein Zauberspruch aus Harry Potter anhörte als wie ein Baum.
Na gut …
Also fragte ich zusätzlich noch die KI.
Die Antwort lautete ungefähr:
"Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine gefüllt blühende japanische Zierkirsche der Sorte Prunus serrulata Shirotae." Ich nickte verständnisvoll. Innerlich hörte ich mich nur sagen:
"Aha… Baum."
Das Faszinierende ist ja, dass Pflanzenkenner scheinbar auf zehn Meter Entfernung erkennen, ob eine Blattspitze um drei Millimeter gezähnt ist oder ob sich die Knospe linksherum statt rechtsherum geöffnet hat.
Ich sehe dagegen nur:
"Die hat schöne Blüten."
Oder:
"Die piekst."
Mehr ist da oft nicht. Dabei fotografiere ich seit Jahren Blumen, Bäume und Pflanzen. Ich könnte vermutlich tausend Nahaufnahmen zeigen. Aber fragt mich bitte nicht, was darauf zu sehen ist.
Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich antworte:
"Etwas Grünes mit Blüten." 
Und deshalb bin ich froh, dass es heute Pflanzen-Apps gibt. Auch wenn sie mich gelegentlich mit lateinischen Namen erschlagen. Falls die App und die KI sich dann auch noch einig sind, glaube ich ihnen einfach. Schließlich müssen die beiden es ja wissen.
Ich bleibe trotzdem bei meiner Methode. Ich freue mich über Farben. Über Formen. Über Licht.
Und wenn mich künftig jemand fragt, was das für ein Baum ist, antworte ich ganz gelassen:
"Eine Prunus-irgendwas. Ganz sicher etwas sehr Hübsches."
Das klingt immerhin deutlich gebildeter als:
"Baum"
Anne Seltmann 16.07.2026, 07.17 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL