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Tag: Mittelalter

Sie oder Du?


[Bild KI generiert]


Oder: Wie man aus einem Menschen mehrere macht!

Neulich bin ich über eine Frage gestolpert, die mich neugierig gemacht hat: Woher kommt eigentlich unser höfliches „Sie? Wer hat sich das ausgedacht? Und warum tun wir so, als wären wir mehrere Personen, wenn wir doch nur mit einem einzigen Menschen sprechen?

Ich finde, das klingt verdächtig nach einer sprachlichen Verschwörung!

Aber der Reihe nach.

Früher war das Leben auch nicht einfacher

Im Mittelalter war die Sache mit der Anrede noch einigermaßen übersichtlich. Wer einem vertraut war, wurde geduzt. Bei höhergestellten Personen konnte man dagegen schon einmal das ehrerbietige „Ihr auspacken.

Man sprach also einen einzigen Menschen an, als hätte er gleich eine ganze Mannschaft im Schlepptau.

„Ihr habt gerufen?

Nein, lieber Herr Graf, ich habe nur Sie gemeint. Ihre Mannschaft kann draußen bleiben!

Doch damit war die Entwicklung längst nicht abgeschlossen.

Dann wurde es richtig kompliziert

Irgendwann kamen weitere Anredeformen ins Spiel. Man sprach Menschen beispielsweise mit „Er oder „Sie an. Das klang ungefähr so:

„Hat Er schon gespeist?

Oder:

„Wünscht Sie noch etwas Tee?

Man stelle sich das heute einmal beim Bäcker vor.

„Hat Sie noch einen Wunsch?

„Ja, zwei Brötchen und ein Schwarzbrot. Und wenn Sie schon dabei sind: Könnten Sie bitte wieder normal mit mir reden?

Aber damals galten solche Formen als Ausdruck gesellschaftlicher Rangordnung. Wer wen wie ansprach, konnte eine ziemlich deutliche Botschaft enthalten. Höflichkeit war eben nicht nur eine Frage guter Manieren, sondern auch eine Frage des Standes.

Das „Sie betritt die Bühne

Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus unser heutiges höfliches „Sie. Etwa um 1800 hatte es sich weitgehend durchgesetzt.

Und plötzlich konnten wir einen einzelnen Menschen ansprechen, als würden wir mit mehreren reden.

„Haben Sie heute schon Kaffee getrunken?

Ja, habe ich. Aber ich bin trotzdem nur eine Person!

Das Verb steht bei der höflichen Anrede in der dritten Person Plural. Wir sagen also „Sie haben, obwohl wir nur einen Menschen meinen.

Die deutsche Sprache kann eben kompliziert sein. Manchmal habe ich den Verdacht, sie macht das nur, um uns wachzuhalten.

Und dann kommt die Großschreibung!

Als wäre das alles nicht schon verwirrend genug, wird das höfliche „Sie auch noch großgeschrieben.

Denn schließlich müssen wir es von „sie unterscheiden.

„Sie sind heute aber früh dran.

Wer ist früh dran? Eine Dame? Ein Herr? Eine ganze Reisegruppe?

Und wenn ich schreibe: „Sie sind schon wieder da, kann das durchaus Respekt ausdrücken. Oder Verwunderung. Oder die leise Hoffnung, dass der Besuch diesmal nicht bis zum Abend bleibt.

Es kommt eben immer auf den Zusammenhang an.

Vom Sie zum Du – ein kleiner gesellschaftlicher Drahtseilakt

Heute ist das Ganze glücklicherweise etwas entspannter geworden. Trotzdem kann die Frage „Dürfen wir uns duzen? für einen kurzen Moment eine gewisse Spannung erzeugen.

Wer fragt zuerst? Ist das jetzt zu vertraulich? Darf ich das anbieten? Und was mache ich, wenn mein Gegenüber freundlich lächelt und sagt: „Ich würde lieber beim Sie bleiben?

Dann lächeln wir natürlich ebenfalls. Ganz souverän.

Und denken vielleicht: Na gut, dann bleiben wir eben vorerst mehrere Personen.

Dabei ist das Du doch herrlich unkompliziert. Zwei Menschen, ein Gespräch, keine grammatische Mehrfachbesetzung.

Wobei auch das Du seine Tücken hat. Man kann jemanden duzen und trotzdem ausgesprochen unfreundlich sein. Und man kann jemanden siezen und dabei so herzlich sein, dass jede Distanz verschwindet.

Die Anrede allein macht eben noch keinen guten Umgang miteinander.

Mein Fazit

Je länger ich darüber nachdenke, desto amüsanter finde ich unsere Sprache. Aus gesellschaftlichen Rangunterschieden wurde eine Höflichkeitsform, aus einem Menschen wurden grammatisch mehrere, und bis heute überlegen wir manchmal, ob wir jemanden mit Du oder Sie ansprechen sollen.

Vielleicht sollten wir die Sache nicht ganz so ernst nehmen.

Denn ob Du oder Sie – entscheidend ist doch, wie wir miteinander umgehen.

Und falls mich künftig jemand fragt: „Darf ich Sie etwas fragen?, werde ich natürlich freundlich antworten:

„Aber selbstverständlich! Solange Sie nicht gleich die ganze Verwandtschaft mitbringen.

In diesem Sinne: Bleiben wir höflich, wenn es angebracht ist, herzlich, wann immer es geht, und nehmen wir die deutsche Sprache nicht immer ganz so ernst.

Sie hat schließlich auch nur ihre Eigenheiten.

Oder sollte ich besser sagen: Sie haben ihre Eigenheiten?

Ach, lassen wir das. Ich gehe jetzt erst einmal einen Kaffee trinken. Ganz allein. Ohne grammatische Begleitung.




Anne Seltmann 16.10.2026, 16.10 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Projekt: A.n.n.a 2017 N° #08


2017 N° #08




Nun, ein Nageletui ist nichts Außergewöhnliches, jedoch obiges, da es aus dem 17. Jahrhundert stammt. Es ist aus reinem Elfenbein
Etwas unscharf ist das Bild, da sich das Etui in einer Vitrine befindet. Gesehen in einem der vielen Museen, die ich schon besucht habe.
Leider weiß ich nicht mehr in welchem Museum das war.


Bereits in der Antike wussten die Menschen, dass Hygiene und Sauberkeit unerlässlich ist. So gehört auch die Nagelpflege dazu. Es gibt textuelle Hinweise auf die Benutzung vielfältiger Pflegemethoden für Finger-und Fußnägel.

Ebenso wird aus geschichtlichen Überlieferungen vom ersten Modebewusstsein in Bezug auf Fingernägel im 17. Jahrhundert berichtet. Die Damen der höheren Gesellschaft pflegten ihre Nägel mit parfümiertem roten Öl und polierten sie mit einem Lederläppchen.






Unter dem Motto "Alles, nur nicht alltäglich", oder kurz A-n-n-a, möchte Arti alle 14 Tage Mittwochs Dinge zeigen, die besonders oder ausgefallen sind, also nicht gerade alltäglich.

Arti schreibt: Es können Häuser, Zäune, Schilder, Autos, Boote usw. sein, da gibt es sicher unzählige Sachen.

 

Archivbilder dürfen auch noch einmal gezeigt werden. Hauptsache nicht 08/15!



Artis...


Anne Seltmann 01.11.2017, 08.12 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL