Tag: Natur

Yellow Day – Wenn Südkorea gelbe Rosen verschenkt
Während bei uns viele Menschen den 14. Februar mit roten Rosen und Valentinstagen verbinden, gibt es in Südkorea einen ganz eigenen Tag voller Farbe, Symbolik und leiser Melancholie: den Yellow Day—auf Koreanisch oft auch mit dem Rosentag verbunden.
Am 14. Mai schenken sich vor allem Singles gelbe Rosen oder tragen Gelb, um ihre Hoffnung auf Liebe, Glück und neue Begegnungen auszudrücken. Die Farbe Gelb steht dabei nicht nur für Frühling, Wärme und Sonne, sondern auch für Optimismus und einen kleinen Neuanfang des Herzens.
Südkorea hat ohnehin eine ganze Reihe besonderer „Liebestage, die jeweils am 14. eines Monats gefeiert werden. Manche davon sind romantisch, manche verspielt, manche ein wenig traurig. Der Yellow Day gehört zu den stilleren Traditionen.
Oft treffen sich an diesem Tag Freunde, essen gemeinsam Currygerichte—ebenfalls passend zur Farbe Gelb—oder verschenken gelbe Blumen. Dahinter steckt die charmante Idee, Einsamkeit nicht zu verstecken, sondern gemeinsam mit etwas Farbe und Humor zu begegnen.
Und irgendwie hat dieser Tag etwas sehr Schönes.
Keine übergroßen Liebesgesten.
Kein kitschiges Feuerwerk.
Sondern ein kleiner gelber Gruß gegen graue Gedanken.
Anne Seltmann 14.05.2026, 14.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL


die pusteblume
hält ihre zerbrechlichkeit
offen
kein festhalten
nur fäden
die sich erinnern
wie leicht etwas wird
an jeder spitze
ein tropfen
als hätte der morgen
sich verfangen
sie wartet nicht
auf wind
sie ist schon
im gehen
nur noch
nicht ganz
und du
siehst ihr zu
wie etwas bleibt
indem es sich löst
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 23.04.2026, 05.55 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Inspiriert durch >> Kreasoli << , musste ich einmal ins Archiv greifen, um euch meine Pfingstrose zu zeigen.
Die Pfingstrose ist eine Blume, die sich Zeit lässt – und
genau darin liegt ihr Zauber.
Wo andere Pflanzen schnell kommen und gehen, baut sie Spannung auf: feste
Knospen, die wirken, als würden sie ein Geheimnis hüten. Und dann, fast über
Nacht, öffnet sie sich in eine üppige, duftende Blüte, so weich und
vielschichtig, dass sie eher wie ein Versprechen wirkt als wie eine Pflanze.
Ihre Farben reichen von zartem Weiß über pudriges Rosa bis hin zu kräftigem Purpur. Oft wirkt sie ein wenig verschwenderisch – als hätte sie beschlossen, Schönheit nicht sparsam, sondern großzügig zu verteilen.
Dann habe ich mich auf die Suche begeben, um zu sehen, woher der Name eigentlich kommt. Ich muss das immer wissen.
Der Name Pfingstrose hat einen ganz einfachen, fast
bodenständigen Ursprung:
Sie blüht rund um das christliche Fest Pfingsten – meist im späten Frühling bis
Frühsommer. So wurde sie im Volksmund zur „Rose von Pfingsten, obwohl sie
botanisch gar keine Rose ist, sondern zur Gattung Paeonia gehört.
Hinter ihrem wissenschaftlichen Namen steckt jedoch eine
alte Geschichte:
In der griechischen Mythologie war Paeon ein Schüler des Heilgottes Asklepios.
Paeon heilte mit einer Pflanze, die so wirksam war, dass sie den Neid seines
Lehrers erregte. Um ihn zu schützen, verwandelten die Götter ihn in eben diese
Blume – die Pfingstrose.
Vielleicht ist es genau diese Mischung aus Fülle und
Flüchtigkeit, die die Pfingstrose so besonders macht.
Sie blüht nicht lange – aber intensiv.
Und gerade weil sie sich nicht festhalten lässt, wird jeder Moment mit ihr
kostbar.
In Gärten steht sie oft für Liebe, Glück und Reichtum – in
manchen Kulturen sogar für ein gutes, erfülltes Leben.
Und wer einmal eine Pfingstrose beim Aufblühen beobachtet hat, versteht
schnell, warum.
Anne Seltmann 17.04.2026, 06.51 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Zwischen Farbe und Wind
zwischen den stängeln
die sich nicht entscheiden
ob sie stehen oder fließen
ein atmen aus farbe
das keiner ordnet
rosa tastet sich an orange vorbei
blau behauptet nichts
gelb fällt einfach ins licht
du siehst:
wie alles gleichzeitig geschieht
und nichts darauf wartet
benannt zu werden
die wiese—kein ort
eher ein geschehen
hier
verliert sogar der wind
kurz die richtung
und bleibt
in einem blütenrand hängen
als hätte jemand
für einen moment
die welt nicht erklärt
sondern
offen gelassen
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 10.04.2026, 09.19 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


sie stehen nicht lange
und doch stehen sie
als hätten sie zeit
ein rund
aus weiß
so leicht
dass es fast schon
verschwindet
im sehen
man könnte glauben
sie warten
aber worauf
nicht auf uns
nicht auf das bleiben
eher
auf ein lösen
der wind kommt
ohne sich anzukündigen
streift nur
und schon beginnt es
kein plötzlich
kein bruch
mehr ein nachgeben
ein samen
dann noch einer
als würde sich etwas erinnern
dass es nie gehalten war
sie gehen
nicht weg
sie verteilen sich
in richtungen
die niemand benennt
und das feld
verändert sich
ohne sich zu bewegen
es wird leerer
und gleichzeitig weiter
man steht davor
und versteht es nicht ganz
dieses
fast
dieses
gleich nicht mehr
und doch
bleibt etwas
nicht sichtbar
nicht greifbar
eher ein wissen
dass nichts
dafür gemacht ist
zu bleiben
und dass genau darin
eine form
von leichtigkeit liegt
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 09.04.2026, 05.58 | (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL


Die Gräser im Wind
sie sagen nichts
und trotzdem
antworten sie
auf jeden schritt der luft
ein neigen
ein kaum sichtbares
zurück
als würde etwas
durch sie hindurchgehen
das niemand halten kann
der boden bleibt still
der himmel auch
nur dazwischen
geschieht etwas
so klein
dass man es fast übersieht
und doch bewegt sich alles
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 19.03.2026, 06.54 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


zwischen mauern
ein kaum sichtbarer spalt
lange
war dort
nur schatten
staub
ein wenig wind
manchmal regen
dann
eines morgens
ein grüner gedanke
der sich
durch den engen riss
nach oben tastet
zögernd
aber unbeirrbar
als wüsste er
dass selbst mauern
nicht ewig sind
und plötzlich
mitten im grau
steht er da
ein löwenzahn
leuchtet
als hätte jemand
eine kleine sonne
im stein vergessen
© Anne Seltmann
Anne Seltmann 12.03.2026, 13.29 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Das Wochenblatt – ein nicht mehr aktives Naturprojekt von >> Jutta <<
Der Name „Wochenblatt ließ zunächst an eine Zeitung denken. Doch das Projekt von Jutta hatte mit einer gedruckten Wochenzeitung nichts zu tun. Ihr Wochenblatt bestand nicht aus Papier und Druckerschwärze, sondern aus echten Blättern aus der Natur.
Jutta sammelte jede Woche ein Blatt auf ihren Spaziergängen. Es konnten Blätter von Bäumen, Sträuchern oder anderen Pflanzen sein, die ihr gerade ins Auge fielen. Jedes dieser Blätter erzählte seine eigene kleine Geschichte: von der Jahreszeit, vom Wetter oder von dem Ort, an dem es gefunden wurde.
So entstand Woche für Woche ein ganz besonderes „Wochenblatt. Statt Nachrichten aus Politik oder Weltgeschehen zeigte es Veränderungen in der Natur. Mal war ein Blatt frisch und leuchtend grün, mal begann es sich zu verfärben, und später im Jahr fanden sich vielleicht trockene, raschelnde Herbstblätter.
Das Projekt lud dazu ein, genauer hinzuschauen und die kleinen Veränderungen in der Natur wahrzunehmen. Ein einziges Blatt pro Woche reichte aus, um zu sehen, wie sich die Jahreszeiten langsam wandelten.
Juttas Wochenblatt war damit eine schöne Erinnerung daran, dass die Natur ihre eigenen Geschichten schrieb – man musste nur aufmerksam genug sein, sie zu entdecken.
Anne Seltmann 09.03.2026, 07.11 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die kleine Magie schöner Blumensträuße
Ein schöner Blumenstrauß ist mehr als nur eine Sammlung von Blumen – er ist ein kleines Stück Freude. Schon beim ersten Blick entsteht dieses Gefühl von Frische, Farbe und Leben. Ein Strauß kann einen Raum verändern, ihn freundlicher, wärmer und irgendwie lebendiger machen.
Besonders charmant sind Sträuße, die nicht perfekt geschniegelt wirken. Wild gemischt, mit unterschiedlichen Höhen, Farben und Formen, erzählen sie fast eine kleine Geschichte. Zarte Blüten neben kräftigen Farben, vielleicht ein paar grüne Zweige dazwischen – genau diese Mischung macht ihren Reiz aus.
Blumensträuße begleiten uns durch viele Momente: als Geschenk, als Dankeschön oder einfach, um sich selbst eine Freude zu machen. Manchmal reicht schon eine Vase auf dem Tisch, um den Tag ein bisschen heller wirken zu lassen.
Vielleicht ist genau das ihr Geheimnis: Blumen erinnern uns daran, die kleinen, schönen Dinge im Alltag wahrzunehmen.
Anne Seltmann 06.03.2026, 06.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Heute Morgen habe ich in meinem Fotoarchiv gewuselt, um Bilder für Marius Naturdonnerstag zu suchen. Dabei bin ich über Aufnahmen gestolpert, die mich sofort zurückversetzt haben. Fotografiert im Jahr 2005. (Handybilder) Mein Gott, ist das lange her, als wir dort Urlaub machten. Genauer gesagt in Spindler Mühle, von wo aus wir einige Touren unternommen haben. In diesem Fall führte uns der Weg in die Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt.

Schon beim erneuten Betrachten der Bilder spüre ich wieder diese besondere Atmosphäre. Manche Orte verlieren auch nach Jahren nichts von ihrer Wirkung. Die hohen Sandsteinfelsen ragen wie natürliche Kathedralen empor, Wege schlängeln sich durch schmale Spalten, und das Licht fällt gefiltert zwischen den Felswänden hindurch.
Mich faszinieren dort vor allem die Details: Strukturen im Gestein, weiche Moospolster, kleine Pflanzen, die sich ihren Platz zwischen Stein und Schatten erobern. Es ist dieses Zusammenspiel aus Enge und Weite, aus rauer Oberfläche und zartem Grün, das mich damals wie heute berührt.

Das Gestein erzählt von Zeit – von unzähligen Jahren, die es geformt haben. Beim Durchsehen der alten Aufnahmen merke ich, wie sehr mich solche Landschaften geprägt haben. Vielleicht war es einer dieser Orte, an denen ich begonnen habe, bewusster hinzusehen.
Die Felsenstadt war kein lautes Ausflugsziel. Sie wirkte still und gleichzeitig monumental. Jeder Schritt eröffnete neue Perspektiven, neue Blickwinkel, neue Kompositionen. Und während ich heute durch mein Archiv blättere, wird mir bewusst, wie wertvoll solche fotografischen Erinnerungen sind.
Manche Bilder sind mehr als Dokumente. Sie sind kleine Zeitkapseln. Und die Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt bleibt für mich ein Ort aus Stein, Licht und Erinnerung – kraftvoll, still und zeitlos.

Anne Seltmann 05.03.2026, 09.46 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL