Tag: Fremdwörter

Rabulistisch – Ein Wort, das man kennen darf
Es gibt Wörter, die begegnen einem ein Leben lang nicht. Und dann tauchen sie plötzlich auf – als hätten sie sich jahrelang versteckt.
So ging es mir mit „rabulistisch.
Mein erster Gedanke war:
Ist das ein Zauberspruch aus Harry Potter? Oder vielleicht ein italienisches
Nudelgericht?
Nein.
Rabulistisch beschreibt eine Art zu argumentieren. Allerdings keine besonders sympathische.
Wer rabulistisch argumentiert, versucht mit spitzfindigen, oft verdrehten oder scheinbar logischen Argumenten Recht zu behalten – auch wenn die eigentliche Wahrheit dabei auf der Strecke bleibt. Es geht weniger darum, eine Sache ehrlich zu klären, sondern vielmehr darum, den anderen mit Wortakrobatik auszumanövrieren.
Man könnte auch sagen:
Hauptsache gewonnen. Egal, ob überzeugend.
Manchmal erlebt man solche Diskussionen im Alltag. Jemand wird auf einen offensichtlichen Fehler hingewiesen und statt einfach zu sagen: „Stimmt, da hast du recht, beginnt plötzlich eine sprachliche Pirouette nach der anderen. Am Ende weiß keiner mehr, worum es ursprünglich ging – aber die Diskussion dauert erstaunlich lange.
Ich muss zugeben: Solche Gespräche strengen mich an.
Nicht, weil unterschiedliche Meinungen etwas Schlechtes wären – ganz im Gegenteil. Gerade ein offener Austausch macht Gespräche spannend.
Aber wenn es nur noch darum geht, um jeden Preis recht zu behalten, wird aus einer Unterhaltung schnell ein rhetorisches Tauziehen.
Vielleicht gefällt mir das Wort deshalb so gut.
Es beschreibt etwas, das viele von uns schon erlebt haben, ohne dafür bisher einen passenden Begriff zu kennen.
Und ganz ehrlich:
Manchmal reicht ein einfaches
„Da habe ich mich geirrt.
Das spart Zeit, Nerven und eine Menge rabulistischer
Verrenkungen. 
Heute habe ich jedenfalls wieder ein neues Wort gelernt.
Und das ist doch eigentlich das Schönste an Sprache:
Sie überrascht uns immer wieder. Manche Wörter verschwinden. Andere warten
geduldig darauf, entdeckt zu werden. Und plötzlich hat man einen Begriff für
etwas, das man längst kannte – nur eben bisher nicht benennen konnte.
Anne Seltmann 17.07.2026, 05.28 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Philippika – Wenn Worte zu Donner werden
Manche Wörter klingen schon beim Aussprechen nach ihrer Bedeutung. Philippika ist so eines. Es wirkt streng, kraftvoll und ein wenig einschüchternd – und genau das ist es auch.
Eine Philippika ist keine gewöhnliche Kritik. Sie ist eine leidenschaftliche, oft scharf formulierte Standpauke oder Anklagerede, mit der jemand Missstände anprangert oder seinem Ärger unmissverständlich Luft macht.
Der Ursprung des Wortes reicht mehr als 2.000 Jahre zurück. Der berühmte griechische Redner Demosthenes hielt mehrere flammende Reden gegen König Philipp II. von Makedonien. Diese Reden gingen als Philippiken in die Geschichte ein. Später griff auch der römische Staatsmann Cicero den Begriff auf, als er seine berühmten Reden gegen Marcus Antonius ebenfalls „Philippiken nannte.
Heute begegnet uns das Wort nur noch selten. Dabei beschreibt es etwas, das jeder kennt: den Moment, in dem aus einer kleinen Beschwerde ein regelrechter Wortgewittersturm wird.
Wer also das nächste Mal hört: „Jetzt hält er wieder eine Philippika!, weiß, dass keine sanfte Meinungsäußerung folgt, sondern eine eindrucksvolle, oft wortgewaltige Abrechnung.
Ich mag solche alten Wörter. Sie tragen ihre Geschichte in sich und erinnern daran, wie lebendig Sprache sein kann. Manche geraten über Jahrzehnte in Vergessenheit – bis sie plötzlich wieder auftauchen und zeigen, dass sie nichts von ihrer Ausdruckskraft verloren haben.
Anne Seltmann 26.06.2026, 07.51 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL