Tag: Marius


"Ach schau mal, eine gefüllt blühende < Prunus serrulata Shirotae >."
Ich gehe durch denselben Park und denke: „Oh... hübsch. Damit endet mein botanisches Fachwissen.
Früher war für mich die Pflanzenwelt ohnehin übersichtlich.
Baum.
Blume.
Busch.
Mit etwas Glück kann ich noch zwischen Tanne und Palme und heimische Bäume unterscheiden. Bei Blumen bin ich auch nicht ganz so firm. Bei allem anderen wird es schwierig für mich.
Neulich fotografierte ich einen wunderschön blühenden Baum. Weiße Blüten, frisches Grün, einfach traumhaft.
Natürlich wollte ich wissen, was da eigentlich vor meiner Kamera stand. Also zückte ich – ganz modern – erst einmal meine Pflanzen-App. Die App dachte kurz nach und warf mir einen Namen entgegen, der sich eher wie ein Zauberspruch aus Harry Potter anhörte als wie ein Baum.
Na gut …
Also fragte ich zusätzlich noch die KI.
Die Antwort lautete ungefähr:
"Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine gefüllt blühende japanische Zierkirsche der Sorte Prunus serrulata Shirotae." Ich nickte verständnisvoll. Innerlich hörte ich mich nur sagen:
"Aha… Baum."
Das Faszinierende ist ja, dass Pflanzenkenner scheinbar auf zehn Meter Entfernung erkennen, ob eine Blattspitze um drei Millimeter gezähnt ist oder ob sich die Knospe linksherum statt rechtsherum geöffnet hat.
Ich sehe dagegen nur:
"Die hat schöne Blüten."
Oder:
"Die piekst."
Mehr ist da oft nicht. Dabei fotografiere ich seit Jahren Blumen, Bäume und Pflanzen. Ich könnte vermutlich tausend Nahaufnahmen zeigen. Aber fragt mich bitte nicht, was darauf zu sehen ist.
Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich antworte:
"Etwas Grünes mit Blüten." 
Und deshalb bin ich froh, dass es heute Pflanzen-Apps gibt. Auch wenn sie mich gelegentlich mit lateinischen Namen erschlagen. Falls die App und die KI sich dann auch noch einig sind, glaube ich ihnen einfach. Schließlich müssen die beiden es ja wissen.
Ich bleibe trotzdem bei meiner Methode. Ich freue mich über Farben. Über Formen. Über Licht.
Und wenn mich künftig jemand fragt, was das für ein Baum ist, antworte ich ganz gelassen:
"Eine Prunus-irgendwas. Ganz sicher etwas sehr Hübsches."
Das klingt immerhin deutlich gebildeter als:
"Baum"
Anne Seltmann 16.07.2026, 07.17 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Feuersporn dorn – Der stille Star des Frühsommers
Wer an den Feuerdorn denkt, hat meist sofort die leuchtend roten oder orangefarbenen Beeren des Herbstes vor Augen. Doch gerade jetzt, im späten Frühjahr, zeigt das immergrüne Gehölz eine ganz andere, oft unterschätzte Seite.
Dichte Dolden aus unzähligen kleinen weißen Blüten verwandeln den Strauch in ein wahres Blütenmeer. Aus der Ferne wirkt es fast so, als hätte jemand einen feinen Schleier aus weißen Wolken über die Zweige gelegt. Erst aus der Nähe offenbart sich die filigrane Schönheit jeder einzelnen Blüte.
Nicht nur wir erfreuen uns an diesem Anblick. Bienen, Hummeln und viele andere Insekten schätzen den reich gedeckten Tisch, den der Feuerdorn ihnen bietet. Das geschäftige Summen zwischen den Blüten verrät, wie wertvoll diese Pflanze für die Natur ist.
Erst nach der Blüte beginnt die eigentliche Verwandlung. Aus den unscheinbaren Blüten entwickeln sich nach und nach die bekannten roten, orangefarbenen oder gelben Beeren, die den Strauch im Herbst zu einem leuchtenden Blickfang machen und vielen Vögeln als wichtige Nahrungsquelle dienen.
Der Feuerdorn beweist damit, dass jede Jahreszeit ihre eigene Schönheit besitzt. Während im Herbst seine farbenprächtigen Früchte begeistern, gehört jetzt die Bühne den tausenden zarten Blüten – ein Schauspiel, das viel zu oft unbeachtet bleibt.
Vielleicht lohnt es sich beim nächsten Spaziergang, den Blick einmal nicht nur auf die großen Blütenstauden zu richten. Oft sind es gerade die unscheinbaren Sträucher am Wegesrand, die ihre ganze Pracht erst zeigen, wenn man einen Moment stehen bleibt.
Anne Seltmann 25.06.2026, 08.18 | (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL


Zwischen den Dünen

Anne Seltmann 18.06.2026, 13.56 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Anne Seltmann 11.06.2026, 07.51 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Garnrollen – kleine Helfer mit großer Wirkung
Wer näht, stickt, häkelt oder strickt, kennt sie: Garnrollen. Diese unscheinbaren kleinen Zylinder gehören zu den Dingen, die meist erst auffallen, wenn sie fehlen. Dabei leisten sie Erstaunliches.
Eine Garnrolle ist eigentlich nur ein praktischer Aufbewahrungsort für Fäden. Doch betrachtet man sie genauer, steckt viel mehr dahinter. Jede Rolle verspricht Möglichkeiten. Aus einem einzigen Faden können Kleidungsstücke entstehen, kunstvolle Stickereien, Kuscheltiere, Patchworkdecken oder Reparaturen, die Lieblingsstücke vor dem Ausrangieren bewahren.
Früher bestanden Garnrollen oft aus Holz. Sie waren robust, lagen angenehm in der Hand und sind heute begehrte Sammelobjekte. Manche tragen noch die alten Etiketten ihrer Hersteller und erzählen von Zeiten, in denen Handarbeit zum Alltag gehörte. Moderne Garnrollen bestehen meist aus Kunststoff oder Karton, erfüllen aber denselben Zweck: Sie sorgen dafür, dass das Garn ordentlich aufbewahrt wird und sich nicht in ein hoffnungsloses Knäuel verwandelt.
Wer kreativ arbeitet, kennt das Phänomen: Man kauft eine Garnrolle für ein bestimmtes Projekt. Nach dessen Fertigstellung bleibt ein Rest übrig. Dann kommt die nächste Rolle dazu, und noch eine. Irgendwann besitzt man eine kleine Sammlung in allen Farben des Regenbogens – und natürlich genau nie den Farbton, den man gerade braucht.
Besonders faszinierend ist die Vielfalt. Es gibt Nähgarn, Stickgarn, Häkelgarn, Effektgarn mit Glanz, Metallicfäden und sogar Garn, das im Dunkeln leuchtet. Jede Rolle wartet geduldig auf ihren Einsatz und trägt ein Stück Kreativität in sich.
Anne Seltmann 01.06.2026, 00.00 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Yellow Day – Wenn Südkorea gelbe Rosen verschenkt
Während bei uns viele Menschen den 14. Februar mit roten Rosen und Valentinstagen verbinden, gibt es in Südkorea einen ganz eigenen Tag voller Farbe, Symbolik und leiser Melancholie: den Yellow Day—auf Koreanisch oft auch mit dem Rosentag verbunden.
Am 14. Mai schenken sich vor allem Singles gelbe Rosen oder tragen Gelb, um ihre Hoffnung auf Liebe, Glück und neue Begegnungen auszudrücken. Die Farbe Gelb steht dabei nicht nur für Frühling, Wärme und Sonne, sondern auch für Optimismus und einen kleinen Neuanfang des Herzens.
Südkorea hat ohnehin eine ganze Reihe besonderer „Liebestage, die jeweils am 14. eines Monats gefeiert werden. Manche davon sind romantisch, manche verspielt, manche ein wenig traurig. Der Yellow Day gehört zu den stilleren Traditionen.
Oft treffen sich an diesem Tag Freunde, essen gemeinsam Currygerichte—ebenfalls passend zur Farbe Gelb—oder verschenken gelbe Blumen. Dahinter steckt die charmante Idee, Einsamkeit nicht zu verstecken, sondern gemeinsam mit etwas Farbe und Humor zu begegnen.
Und irgendwie hat dieser Tag etwas sehr Schönes.
Keine übergroßen Liebesgesten.
Kein kitschiges Feuerwerk.
Sondern ein kleiner gelber Gruß gegen graue Gedanken.
Anne Seltmann 14.05.2026, 14.44 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Morgennebel
die dinge
treten zurück
als wollten sie
sich selbst
nicht stören
ein tropfen
hält kurz
am rand
zögert
oder erinnert sich
dann
gleitet er
nicht nach unten
eher
aus der form
in die stille des windes
die nichts sagt
und doch
alles trägt
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 01.05.2026, 06.00 | (1/1) Kommentare (RSS) | TB | PL


die pusteblume
hält ihre zerbrechlichkeit
offen
kein festhalten
nur fäden
die sich erinnern
wie leicht etwas wird
an jeder spitze
ein tropfen
als hätte der morgen
sich verfangen
sie wartet nicht
auf wind
sie ist schon
im gehen
nur noch
nicht ganz
und du
siehst ihr zu
wie etwas bleibt
indem es sich löst
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 23.04.2026, 05.55 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL




Diese Aufnahmen entstanden auf der Rücktour unserer Rom-Reise.
Nur wenige Stunden vorher von der Sonne verwöhnt, sind wir regelrecht in ein Schneechaos geraten.
Zwischen Florenz und Bologna, zeigte sich das Wetterchen von der eisigen Seite.
Anne Seltmann 16.04.2026, 15.35 | (0/0) Kommentare | TB | PL


sie stehen nicht lange
und doch stehen sie
als hätten sie zeit
ein rund
aus weiß
so leicht
dass es fast schon
verschwindet
im sehen
man könnte glauben
sie warten
aber worauf
nicht auf uns
nicht auf das bleiben
eher
auf ein lösen
der wind kommt
ohne sich anzukündigen
streift nur
und schon beginnt es
kein plötzlich
kein bruch
mehr ein nachgeben
ein samen
dann noch einer
als würde sich etwas erinnern
dass es nie gehalten war
sie gehen
nicht weg
sie verteilen sich
in richtungen
die niemand benennt
und das feld
verändert sich
ohne sich zu bewegen
es wird leerer
und gleichzeitig weiter
man steht davor
und versteht es nicht ganz
dieses
fast
dieses
gleich nicht mehr
und doch
bleibt etwas
nicht sichtbar
nicht greifbar
eher ein wissen
dass nichts
dafür gemacht ist
zu bleiben
und dass genau darin
eine form
von leichtigkeit liegt
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 09.04.2026, 05.58 | (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL