Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Nature Thursday

Marius Nature Thursday 2026 N° 17






"Ach schau mal, eine gefüllt blühende < Prunus serrulata Shirotae >."

Ich gehe durch denselben Park und denke: „Oh... hübsch. Damit endet mein botanisches Fachwissen.

Früher war für mich die Pflanzenwelt ohnehin übersichtlich.

Baum.

Blume.

Busch.

Mit etwas Glück kann ich noch zwischen Tanne und Palme und heimische Bäume unterscheiden. Bei Blumen bin ich auch nicht ganz so firm. Bei allem anderen wird es schwierig für mich.

Neulich fotografierte ich einen wunderschön blühenden Baum. Weiße Blüten, frisches Grün, einfach traumhaft.

Natürlich wollte ich wissen, was da eigentlich vor meiner Kamera stand. Also zückte ich – ganz modern – erst einmal meine Pflanzen-App. Die App dachte kurz nach und warf mir einen Namen entgegen, der sich eher wie ein Zauberspruch aus Harry Potter anhörte als wie ein Baum.

Na gut …

Also fragte ich zusätzlich noch die KI.

Die Antwort lautete ungefähr:

"Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine gefüllt blühende japanische Zierkirsche der Sorte Prunus serrulata Shirotae." Ich nickte verständnisvoll. Innerlich hörte ich mich nur sagen:

"Aha… Baum."

Das Faszinierende ist ja, dass Pflanzenkenner scheinbar auf zehn Meter Entfernung erkennen, ob eine Blattspitze um drei Millimeter gezähnt ist oder ob sich die Knospe linksherum statt rechtsherum geöffnet hat.

Ich sehe dagegen nur:

"Die hat schöne Blüten."

Oder:

"Die piekst."

Mehr ist da oft nicht. Dabei fotografiere ich seit Jahren Blumen, Bäume und Pflanzen. Ich könnte vermutlich tausend Nahaufnahmen zeigen. Aber fragt mich bitte nicht, was darauf zu sehen ist.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich antworte:

"Etwas Grünes mit Blüten." 

Und deshalb bin ich froh, dass es heute Pflanzen-Apps gibt. Auch wenn sie mich gelegentlich mit lateinischen Namen erschlagen. Falls die App und die KI sich dann auch noch einig sind, glaube ich ihnen einfach. Schließlich müssen die beiden es ja wissen.

Ich bleibe trotzdem bei meiner Methode. Ich freue mich über Farben. Über Formen. Über Licht.

Und wenn mich künftig jemand fragt, was das für ein Baum ist, antworte ich ganz gelassen:

"Eine Prunus-irgendwas. Ganz sicher etwas sehr Hübsches."

Das klingt immerhin deutlich gebildeter als:

"Baum"



Marius...



Anne Seltmann 16.07.2026, 07.17 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 16




Feuersporn dorn – Der stille Star des Frühsommers

Wer an den Feuerdorn denkt, hat meist sofort die leuchtend roten oder orangefarbenen Beeren des Herbstes vor Augen. Doch gerade jetzt, im späten Frühjahr, zeigt das immergrüne Gehölz eine ganz andere, oft unterschätzte Seite.

Dichte Dolden aus unzähligen kleinen weißen Blüten verwandeln den Strauch in ein wahres Blütenmeer. Aus der Ferne wirkt es fast so, als hätte jemand einen feinen Schleier aus weißen Wolken über die Zweige gelegt. Erst aus der Nähe offenbart sich die filigrane Schönheit jeder einzelnen Blüte.

Nicht nur wir erfreuen uns an diesem Anblick. Bienen, Hummeln und viele andere Insekten schätzen den reich gedeckten Tisch, den der Feuerdorn ihnen bietet. Das geschäftige Summen zwischen den Blüten verrät, wie wertvoll diese Pflanze für die Natur ist.

Erst nach der Blüte beginnt die eigentliche Verwandlung. Aus den unscheinbaren Blüten entwickeln sich nach und nach die bekannten roten, orangefarbenen oder gelben Beeren, die den Strauch im Herbst zu einem leuchtenden Blickfang machen und vielen Vögeln als wichtige Nahrungsquelle dienen.

Der Feuerdorn beweist damit, dass jede Jahreszeit ihre eigene Schönheit besitzt. Während im Herbst seine farbenprächtigen Früchte begeistern, gehört jetzt die Bühne den tausenden zarten Blüten – ein Schauspiel, das viel zu oft unbeachtet bleibt.

Vielleicht lohnt es sich beim nächsten Spaziergang, den Blick einmal nicht nur auf die großen Blütenstauden zu richten. Oft sind es gerade die unscheinbaren Sträucher am Wegesrand, die ihre ganze Pracht erst zeigen, wenn man einen Moment stehen bleibt.







Anne Seltmann 25.06.2026, 08.18 | (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 15





Zwischen den Dünen


dort wo der wind
gewöhnlich nur
sand
und salz
verteilt
hat sich etwas rotes
eingemischt

als hätte jemand
eine handvoll
sommer
verloren

der mohn
steht dort
wo niemand
ihn erwartet

zwischen seegras
das von stürmen
erzählt
und den schmalen wegen
der möwen

er fragt nicht
ob dieser ort
für ihn gedacht war

er blüht
als sei genau hier
sein platz

und wenn der wind kommt
neigt er sich
ein wenig

aber nicht genug
um zu verschwinden

am abend
liegt das rot
noch immer
zwischen den dünen

wie ein gedanke
den das meer
nicht forttragen konnte

~*~

© Anne Seltmann









Anne Seltmann 18.06.2026, 13.56 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 14



[Archivbild]





Nimm dieses Blau

des Sommers

Duftend verliert sich ein Sommertag

 ~*~

© Anne Seltmann




Marius...





Anne Seltmann 11.06.2026, 07.51 | (6/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 13




Yellow Day – Wenn Südkorea gelbe Rosen verschenkt

Während bei uns viele Menschen den 14. Februar mit roten Rosen und Valentinstagen verbinden, gibt es in Südkorea einen ganz eigenen Tag voller Farbe, Symbolik und leiser Melancholie: den Yellow Day—auf Koreanisch oft auch mit dem Rosentag verbunden.

Am 14. Mai schenken sich vor allem Singles gelbe Rosen oder tragen Gelb, um ihre Hoffnung auf Liebe, Glück und neue Begegnungen auszudrücken. Die Farbe Gelb steht dabei nicht nur für Frühling, Wärme und Sonne, sondern auch für Optimismus und einen kleinen Neuanfang des Herzens.

Südkorea hat ohnehin eine ganze Reihe besonderer „Liebestage, die jeweils am 14. eines Monats gefeiert werden. Manche davon sind romantisch, manche verspielt, manche ein wenig traurig. Der Yellow Day gehört zu den stilleren Traditionen.

Oft treffen sich an diesem Tag Freunde, essen gemeinsam Currygerichte—ebenfalls passend zur Farbe Gelb—oder verschenken gelbe Blumen. Dahinter steckt die charmante Idee, Einsamkeit nicht zu verstecken, sondern gemeinsam mit etwas Farbe und Humor zu begegnen.

Und irgendwie hat dieser Tag etwas sehr Schönes.
Keine übergroßen Liebesgesten.
Kein kitschiges Feuerwerk.
Sondern ein kleiner gelber Gruß gegen graue Gedanken.








Anne Seltmann 14.05.2026, 14.44 | (3/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 12




[Aus dem Archiv]




die pusteblume
hält ihre zerbrechlichkeit
offen

kein festhalten
nur fäden
die sich erinnern
wie leicht etwas wird

an jeder spitze
ein tropfen

als hätte der morgen
sich verfangen

sie wartet nicht
auf wind

sie ist schon
im gehen

nur noch
nicht ganz

und du
siehst ihr zu
wie etwas bleibt
indem es sich löst


~*~

© Anne Seltmann











Anne Seltmann 23.04.2026, 05.55 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 11





sie stehen nicht lange

und doch stehen sie

als hätten sie zeit

 

ein rund

aus weiß

so leicht

dass es fast schon

verschwindet

im sehen

 

man könnte glauben

sie warten

 

aber worauf

 

nicht auf uns

nicht auf das bleiben

 

eher

auf ein lösen

 

der wind kommt

ohne sich anzukündigen

 

streift nur

und schon beginnt es

 

kein plötzlich

kein bruch

 

mehr ein nachgeben

 

ein samen

dann noch einer

 

als würde sich etwas erinnern

dass es nie gehalten war

 

sie gehen

nicht weg

 

sie verteilen sich

 

in richtungen

die niemand benennt

 

und das feld

verändert sich

ohne sich zu bewegen

 

es wird leerer

und gleichzeitig weiter

 

man steht davor

und versteht es nicht ganz

 

dieses

fast

 

dieses

gleich nicht mehr

 

und doch

 

bleibt etwas

 

nicht sichtbar

nicht greifbar

 

eher ein wissen

 

dass nichts

dafür gemacht ist

zu bleiben

 

und dass genau darin

 

eine form

von leichtigkeit liegt


~*~

© Anne Seltmann








Anne Seltmann 09.04.2026, 05.58 | (4/1) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 10








Die Gräser im Wind

 

sie sagen nichts
und trotzdem
antworten sie

auf jeden schritt der luft

ein neigen
ein kaum sichtbares
zurück

als würde etwas
durch sie hindurchgehen
das niemand halten kann

 

der boden bleibt still
der himmel auch

 

nur dazwischen
geschieht etwas

 

so klein
dass man es fast übersieht

und doch bewegt sich alles

 ~*~

© Anne Seltmann











Anne Seltmann 19.03.2026, 06.54 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 09







zwischen mauern

ein kaum sichtbarer spalt

 

lange
war dort
nur schatten

 

staub
ein wenig wind
manchmal regen

 

dann

eines morgens

ein grüner gedanke

 

der sich
durch den engen riss
nach oben tastet

 

zögernd
aber unbeirrbar

 

als wüsste er
dass selbst mauern
nicht ewig sind

 

und plötzlich

mitten im grau

steht er da

ein löwenzahn

 

leuchtet

als hätte jemand
eine kleine sonne
im stein vergessen

~*~

© Anne Seltmann








Anne Seltmann 12.03.2026, 13.29 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Marius Nature Thursday 2026 N° 08






Heute Morgen habe ich in meinem Fotoarchiv gewuselt, um Bilder für Marius Naturdonnerstag zu suchen. Dabei bin ich über Aufnahmen gestolpert, die mich sofort zurückversetzt haben. Fotografiert im Jahr 2005. (Handybilder) Mein Gott, ist das lange her, als wir dort Urlaub machten. Genauer gesagt in Spindler Mühle, von wo aus wir einige Touren unternommen haben. In diesem Fall führte uns der Weg in die Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt.





Schon beim erneuten Betrachten der Bilder spüre ich wieder diese besondere Atmosphäre. Manche Orte verlieren auch nach Jahren nichts von ihrer Wirkung. Die hohen Sandsteinfelsen ragen wie natürliche Kathedralen empor, Wege schlängeln sich durch schmale Spalten, und das Licht fällt gefiltert zwischen den Felswänden hindurch.

Mich faszinieren dort vor allem die Details: Strukturen im Gestein, weiche Moospolster, kleine Pflanzen, die sich ihren Platz zwischen Stein und Schatten erobern. Es ist dieses Zusammenspiel aus Enge und Weite, aus rauer Oberfläche und zartem Grün, das mich damals wie heute berührt.





Das Gestein erzählt von Zeit – von unzähligen Jahren, die es geformt haben. Beim Durchsehen der alten Aufnahmen merke ich, wie sehr mich solche Landschaften geprägt haben. Vielleicht war es einer dieser Orte, an denen ich begonnen habe, bewusster hinzusehen.

Die Felsenstadt war kein lautes Ausflugsziel. Sie wirkte still und gleichzeitig monumental. Jeder Schritt eröffnete neue Perspektiven, neue Blickwinkel, neue Kompositionen. Und während ich heute durch mein Archiv blättere, wird mir bewusst, wie wertvoll solche fotografischen Erinnerungen sind.

Manche Bilder sind mehr als Dokumente. Sie sind kleine Zeitkapseln. Und die Adersbach-Weckelsdorfer Felsenstadt bleibt für mich ein Ort aus Stein, Licht und Erinnerung – kraftvoll, still und zeitlos.









Anne Seltmann 05.03.2026, 09.46 | (5/0) Kommentare (RSS) | TB | PL