Tag: Mittwoch

National Coast Guard Day – Wenn andere heimkehren, laufen sie aus
Gestern am 4. August war in den USA der National Coast Guard Day. Er erinnert an die Gründung der amerikanischen Küstenwache im Jahr 1790 und würdigt die Frauen und Männer, die Tag und Nacht auf See im Einsatz sind. Ein Gedenktag, der zwar aus den Vereinigten Staaten stammt, dessen Botschaft aber weit über deren Küsten hinausreicht.
Denn überall dort, wo das Meer beginnt, gibt es Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Die See kennt keine Bürozeiten. Sie fragt nicht nach Feiertagen oder Wochenenden. Wenn ein Notruf eingeht, wenn ein Segelboot manövrierunfähig treibt oder ein Mensch in Seenot gerät, zählt jede Minute. Dann legen die Einsatzkräfte ab – oft bei Wind und Wetter, manchmal in schwerer See, immer mit dem Ziel, anderen zu helfen.
Wer an der Küste lebt oder Urlaub macht, nimmt die Schiffe der Küstenwache oft nur am Rande wahr. Sie ziehen am Horizont vorbei, kontrollieren Schifffahrtswege oder begleiten Großveranstaltungen. Doch ihre Aufgaben sind weit vielfältiger: Sie überwachen den Schiffsverkehr, unterstützen bei Rettungseinsätzen, schützen die Meeresumwelt, bekämpfen Schmuggel und sorgen dafür, dass auf dem Wasser Regeln eingehalten werden.
Auch in Deutschland gibt es die Küstenwache des Bundes, in der verschiedene Behörden eng zusammenarbeiten. Auf Nord- und Ostsee sind ihre Schiffe ebenso unterwegs wie die Boote der Wasserschutzpolizeien der Küstenländer. Für die meisten von uns bleiben sie stille Begleiter – und genau das ist vielleicht das größte Kompliment. Denn wenn wir sie kaum bemerken, bedeutet das oft, dass sie ihre Arbeit zuverlässig und unauffällig erledigen.
Mich faszinieren diese Schiffe schon lange. Sie strahlen etwas Beruhigendes aus. Sie stehen für Verlässlichkeit, für Professionalität und für Menschen, die hinausfahren, wenn andere Schutz suchen. Vielleicht ist es genau dieser Gedanke, der mich immer wieder innehalten lässt, wenn ich eines ihrer Boote auf der Ostsee entdecke.
Der National Coast Guard Day erinnert deshalb nicht nur an eine amerikanische Institution. Er erinnert uns daran, wie wichtig jene Menschen sind, die oft im Hintergrund arbeiten und doch einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Sicherheit leisten.
Ein herzliches Dankeschön an alle Frauen und Männer, die auf See Verantwortung tragen – heute und an jedem anderen Tag des Jahres.
Anne Seltmann 05.08.2026, 07.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL



Ein Sommertag in Laboe – oder: Manche Ausflüge werden einfach nie langweilig
Es gibt Orte, an denen man schon unzählige Male gewesen ist.
So oft, dass man irgendwann aufhört zu zählen. Oder, wie man bei uns im Norden
sagen würde: bestimmt schon zum Drölfhundertsten Mal. 
Trotzdem stand heute wieder ein Ausflug nach Laboe auf dem Programm. Unsere Enkelkinder verbringen mit ihren Eltern gerade ein paar Urlaubstage hier in Kiel und was liegt da näher, als ihnen ein Stück unserer Heimat zu zeigen?
Schon am frühen Morgen ging es mit dem Fördedampfer über die Kieler Förde. Ich liebe diese Überfahrt jedes Mal aufs Neue. Während das Wasser leise gegen den Rumpf plätschert, zieht Kiel langsam vorbei und man hat sofort das Gefühl, dass der Alltag für ein paar Stunden Pause macht.
In Laboe angekommen, durfte natürlich das Marine-Ehrenmal nicht fehlen. Die vielen Stufen haben wir nach oben gemieden, es gibt ja Gott sei Dank einen Aufzug. Auf der Aussichtsplattform bietet sich ein herrlicher Rundumblick über die Kieler Förde, die Ostsee und die vorbeiziehenden Schiffe. Anfangs zeigte sich der Himmel noch eher grau und wolkenverhangen, doch nach und nach riss die Wolkendecke auf und die Sonne machte aus einem schönen Tag einen perfekten Sommertag.



Natürlich führte unser Weg auch wieder zum U-Boot U 995. Für uns ist es längst ein alter Bekannter. Trotzdem übt es jedes Mal eine besondere Faszination aus – und für die Kinder war es ohnehin ein spannendes Erlebnis. Es ist schön zu sehen, wie Geschichte plötzlich greifbar wird und Kinderaugen vor Neugier leuchten.
Zwischendurch durfte die kulinarische Seite eines Ostseeausflugs natürlich nicht fehlen. Erst stärkten wir uns mit köstlichen Crêpes, später gab es – wie sollte es an der Küste anders sein – leckere Fischbrötchen. Irgendwie schmecken sie am Meer einfach besser als irgendwo sonst.
Was mir an solchen Tagen besonders gefällt, sind gar nicht die großen Sehenswürdigkeiten. Es sind diese kleinen Momente dazwischen: das gemeinsame Lachen, staunende Kinderblicke, der Wind, der einem um die Nase weht, das Kreischen der Möwen und dieses Gefühl, einfach gemeinsam unterwegs zu sein.
Laboe hat uns wieder einmal gezeigt, dass man nicht weit reisen muss, um einen wunderschönen Tag zu erleben. Manchmal genügt ein Fördedampfer, ein weiter Blick über die Ostsee und die Menschen, die einem am Herzen liegen.
Und auch wenn wir bestimmt schon zum Drölfhundertsten Mal dort waren – ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht das letzte Mal gewesen ist. Manche Orte verlieren ihren Zauber einfach nie.
Anne Seltmann 29.07.2026, 06.56 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Mittwoch wird die Woche geteilt – aber stimmt das eigentlich?
Es gibt Sätze, die begleiten uns, ohne dass wir jemals darüber nachdenken. Einer davon lautet:
„Mittwoch wird die Woche geteilt.
Ich habe ihn schon unzählige Male gelesen und selbst oft verwendet. Er klingt vertraut. Fast so, als gäbe es ihn schon seit Jahrhunderten.
Aber stimmt das eigentlich?
Rein mathematisch nicht.
Eine Woche hat nämlich sieben Tage. Die Mitte liegt also nicht am Mittwoch, sondern irgendwo zwischen Donnerstag und Freitag. Und selbst wenn wir nur die klassische Arbeitswoche von Montag bis Freitag betrachten, wäre die Hälfte genau genommen erst am Mittwochmittag erreicht.
Warum also ausgerechnet der Mittwoch?
Vielleicht, weil wir Menschen Zeit nicht mit dem Taschenrechner messen, sondern mit unserem Gefühl.
Der Montag liegt noch schwer auf den Schultern. Der Dienstag gehört dem Ankommen. Und am Mittwoch stellt sich zum ersten Mal das leise Gefühl ein: Jetzt ist das Wochenende nicht mehr ganz so weit entfernt.
Aus diesem Empfinden entstand auch der Begriff Bergfest. Er stammt vermutlich aus dem Bergbau oder dem Militär und bezeichnete ursprünglich den Zeitpunkt, an dem die Hälfte einer Schicht oder eines Einsatzes geschafft war. Danach ging es sinnbildlich „bergab – also dem Ziel entgegen.
Der Mittwoch wurde so zur kleinen Verschnaufpause mitten im Alltag.
Ich mag diese Vorstellung.
Nicht, weil sie mathematisch korrekt wäre, sondern weil sie uns daran erinnert, kurz innezuhalten. Einmal tief durchzuatmen. Zu sehen, was die Woche schon gebracht hat und was vielleicht noch vor uns liegt.
Vielleicht brauchen wir solche kleinen Wegmarken.
Nicht, weil sie exakt sind.
Sondern weil sie uns Orientierung geben.
Und so teile ich auch weiterhin am Mittwoch die Woche – nicht mit dem Kalender, sondern mit einem Lächeln.
Anne Seltmann 22.07.2026, 06.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Eine Möwe aus einer Zeit vor mir
Ich sortiere gerade die alten Fotos meiner Eltern.
Zwischen den vielen Aufnahmen blieb ich an einem Bild hängen: Möwen auf Usedom.
Mein Vater hat dieses Foto gemacht, als er noch ein junger Mann war. Er war damals mit meiner Mutter auf der Insel unterwegs. Ich war noch nicht geboren. Es war eine Zeit, in der ihre gemeinsame Geschichte gerade erst begann.
Während ich das Bild betrachte, frage ich mich, worüber sie damals gesprochen haben. Ob sie am Strand spazieren gingen, den Möwen zusahen oder einfach den Wind und das Meer genossen. Hatten sie schon Träume für die Zukunft? Haben sie geahnt, was das Leben für sie bereithalten würde?
Ein altes Foto ist mehr als ein eingefrorener Augenblick.
Es zeigt nicht nur, was zu sehen ist. Es erzählt von einer Zeit, die ich nur aus Erzählungen kenne – und doch gehört sie zu mir. Denn ohne diese Tage auf Usedom, ohne all die kleinen und großen Momente, die meine Eltern miteinander erlebt haben, gäbe es meine eigene Geschichte nicht.
Ich schaue auf die Möwe und sehe plötzlich nicht mehr nur einen Vogel am Meer. Ich sehe zwei junge Menschen, voller Zukunft, ohne zu wissen, welche Wege noch vor ihnen liegen würden.
Es berührt mich, dass ich heute, Jahrzehnte später, dieses Bild in den Händen halte.
Fotos können die Zeit nicht anhalten. Aber sie können sie für einen Augenblick wieder öffnen.
Und manchmal genügt eine einziges Bild mit Möwen, um sich auf eine Reise zu begeben – in eine Vergangenheit, die man selbst nie erlebt hat und die doch ein Teil der eigenen Geschichte geworden ist.
[Foto eingescannt und bearbeitet]
Anne Seltmann 22.07.2026, 00.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zumindest behaupten das viele Menschen mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit. Fast so, als gäbe es irgendwo ein offizielles Zeremoniell, bei dem ein mürrischer Büroangestellter mit einem übergroßen Schwert den Kalender zerteilt und feierlich verkündet:
„Die erste Hälfte ist überstanden. Der Mittwoch hat es ohnehin nicht leicht. Er ist weder so verhasst wie der Montag noch so beliebt wie der Freitag. Er steht dazwischen. Wie ein Bahnhof ohne Durchsage. Wie ein Keks ohne Schokolade. Wie ein Kaffee, den man versehentlich koffeinfrei gekauft hat.
Und trotzdem klammern wir uns mittwochs an jede kleine Hoffnung. „Nur noch zwei Tage. „Bergfest. „Das Wochenende winkt schon ganz leicht aus der Ferne. Dabei verändert der Mittwoch objektiv betrachtet gar nichts. Die Wäsche liegt immer noch herum. Der Kühlschrank enthält weiterhin nur Senf, Käse und ein mysteriöses Glas mit undefinierbarem Inhalt. Und die Zimmerpflanze sieht einen an, als würde sie langsam den Glauben an diese Beziehung verlieren. Aber der Mensch braucht offenbar Zwischenziele. Ohne sie würden wir wahrscheinlich irgendwann orientierungslos im Schlafanzug durch Supermärkte laufen und Tiefkühlpizza duzen.
Darum teilen wir die Woche. Feierlich. Innerlich erschöpft. Und mit letzter emotionaler Kraft. Der Mittwoch ist der kleine Hoffnungsschimmer der Arbeitswelt.
Ein leises: „Du hast schon die Hälfte geschafft. Und manchmal reicht genau das schon aus.
Mittwoch...

Anne Seltmann 13.05.2026, 08.45 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL


Zwischen dir und dem Wind
so viel himmel
zwischen den linien
die segel
halten wind
ohne ihn zu besitzen
weiß
gegen blau
ein gespannter zustand
du siehst nach oben
und verlierst
den boden
nicht ganz
nur genug
um zu ahnen
dass richtung
nicht festliegt
sondern entsteht
im ziehen
im nachgeben
im offenen
zwischen dir
und dem wind
~*~
© Anne Seltmann

Anne Seltmann 22.04.2026, 22.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Als der Strandkorb laufen lernte
In den Anfangsjahren war der >> Strandkorb << noch ein Luxusgut.
Wer darin sitzen wollte, musste ihn nicht nur mieten – er wurde oft eigens zum
gewünschten Platz getragen.
An vielen Badeorten gehörte es deshalb lange zum Strandbild, dass Angestellte morgens Dutzende Strandkörbe an den Strand schleppten, sie nach Sonnenstand ausrichteten und abends wieder einsammelten.
Später bekamen viele Modelle kleine Rollen oder wurden auf Schienen bewegt, damit man sie leichter dem Wind oder der Sonne anpassen konnte.
Und bis heute gibt es an manchen Küstenorten die Tradition, dass Strandkörbe morgens „ausgerichtet und abends wieder geschlossen werden – fast wie ein kleines tägliches Ritual.
So wurde aus einem schlichten Schutzmöbel ein Kultobjekt mit eigener Choreografie.
Anne Seltmann 15.04.2026, 06.29 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Anne Seltmann 08.04.2026, 06.23 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

MS „Laboe – das Schiff, das den Alltag einfach über Bord wirft
Es gibt Schiffe, die fahren. Und es gibt Schiffe wie die MS „Laboe (eigentlich eine Fähre) – die lassen einen erstmal ankommen. Schon beim Einsteigen passiert etwas Merkwürdiges:
Der Stress bleibt irgendwie am Steg stehen. Wahrscheinlich hat er keine Fahrkarte bekommen. Kaum legt die Fähre, übernimmt der Wind das Kommando.
Haare? Egal. Frisur? Vergessen. 
Dafür gibts gratis Meeresluft und Möwen-Kommentare von oben. Man steht da, schaut aufs Wasser und denkt: „Ach… so fühlt sich also Durchatmen an. Und während die MS „Laboe gemütlich ihre Bahn zieht, merkt man plötzlich: Hier geht es gar nicht darum, schnell irgendwo anzukommen. Hier geht es darum, einfach mal nicht schnell zu sein. Das Einzige, was hier wirklich Fahrt aufnimmt, sind die Gedanken – und vielleicht die Erkenntnis, dass man viel öfter aufs Schiff steigen sollte.

Technisches:
Die MS „Laboe wirkt auf den ersten Blick wie ein ganz normales Ausflugsschiff. Sie ist aber eine Fähre, also kein „Schiff im klassischen Sinne einer Reise- oder Ausflugsfahrt, sondern ein Verkehrsmittel in Kiel, das Menschen gezielt von einem Ort zum anderen bringt Erst wenn sie ablegt, merkt man, dass hier etwas anders ist. Es ist leiser. Kein lautes Dröhnen, eher ein sanftes Gleiten über das Wasser.
Während man an Deck steht und auf die Förde schaut, denkt man nicht sofort an Technik. Und doch arbeitet unter den Füßen etwas ziemlich Modernes. Die Fähre fährt teilweise elektrisch und nutzt zusätzlich einen klassischen Motor. Je nach Strecke und Bedarf wechselt sie einfach zwischen beiden. Das spart Energie, schont die Umwelt und sorgt dafür, dass die Fahrt angenehm ruhig bleibt.
Man spürt davon eigentlich nur eines: Entspannung. Kein Ruckeln, kein Lärm, nur Wasser, Wind und dieses leise Gefühl, dass sich hier etwas verändert hat.
Vielleicht ist es genau das, was die MS „Laboe besonders macht. Sie bringt einen nicht nur über das Wasser, sondern zeigt ganz nebenbei, wie sich Reisen ein Stück weiterentwickelt hat.
Anne Seltmann 18.03.2026, 04.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL