Ausgewählter Beitrag

Sprachsalat à la carte


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]



Ruminieren

Es gibt Menschen, die denken nach.

Und es gibt Menschen, die denken denselben Gedanken zum fünfzigsten Mal nach – oft nachts um halb drei.

Für dieses mentale Wiederkäuen gibt es sogar ein eigenes Wort: ruminieren.

Ruminieren bedeutet grübeln. Nicht das hilfreiche Nachdenken, bei dem man irgendwann eine Lösung findet, sondern die Art von Gedankenkarussell, bei der man immer wieder dieselbe Runde dreht.

Man denkt an das Gespräch von gestern.
An den Satz, den man besser nicht gesagt hätte.
Oder an den Satz, den man unbedingt hätte sagen sollen.

Und plötzlich sitzt man gedanklich wieder dort, obwohl die Beteiligten längst zuhause sind und vermutlich schon schlafen.

Das Wort stammt vom lateinischen ruminare und bedeutet tatsächlich: wiederkäuen.

Kühe machen das mit Gras.

Menschen machen das mit peinlichen Erinnerungen.

Der Unterschied ist: Die Kuh gewinnt dabei Nährstoffe.

Der Mensch gewinnt höchstens Augenringe.

Psychologen sehen Ruminieren übrigens nicht als harmlose Eigenart. Wer ständig gedanklich dieselben Sorgen, Fehler oder Befürchtungen durchkaut, erhöht das Risiko für Stress, Schlafprobleme und depressive Verstimmungen.

Oder anders gesagt:

Manche Gedanken sind wie Kaugummi.

Je länger man darauf herumkaut, desto weniger Geschmack bleibt übrig – aber los wird man sie trotzdem nicht.

Deshalb darf man sich gelegentlich an den Rat halten, den Kühe nie befolgen würden:

Einfach mal nicht wiederkäuen.






Anne Seltmann 15.06.2026, 17.48

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Kommentare zu diesem Beitrag

2. von Holger

Oh ein schönes altes Wort. Gut, ab sofort wird also mithin und fürderfort nicht mehr ruminiert :)

vom 15.06.2026, 19.21
1. von piri

Manchmal ertappe ich mich dabei: ich denke, also bin ich traurig. Weil Erinnerungen hochkommen, die nicht geklärt sind, die nicht besprochen wurden und über deren negative Auswirkungen ich immer wieder neu nachdenke. Ein Gedanke kommt hoch (wie aus dem Mägen der Kuh) und bringt einen zweiten mit, der auch nicht geklärt ist. Zusammen machen sie Bauchschmerzen, aber eine Aussprache gibt‘s nicht. Sie liegen sprichwörtlich im Magen.

Liebe Anne, schön anschaulich, deine Ausführung übers ruminieren - am besten ist dann wohl, man verdaut das ganze Zeugs.

vom 15.06.2026, 18.40