Ausgewählter Beitrag

Ruminieren
Es gibt Menschen, die denken nach.
Und es gibt Menschen, die denken denselben Gedanken zum fünfzigsten Mal nach – oft nachts um halb drei.
Für dieses mentale Wiederkäuen gibt es sogar ein eigenes Wort: ruminieren.
Ruminieren bedeutet grübeln. Nicht das hilfreiche Nachdenken, bei dem man irgendwann eine Lösung findet, sondern die Art von Gedankenkarussell, bei der man immer wieder dieselbe Runde dreht.
Man denkt an das Gespräch von gestern.
An den Satz, den man besser nicht gesagt hätte.
Oder an den Satz, den man unbedingt hätte sagen sollen.
Und plötzlich sitzt man gedanklich wieder dort, obwohl die Beteiligten längst zuhause sind und vermutlich schon schlafen.
Das Wort stammt vom lateinischen ruminare und bedeutet tatsächlich: wiederkäuen.
Kühe machen das mit Gras.
Menschen machen das mit peinlichen Erinnerungen.
Der Unterschied ist: Die Kuh gewinnt dabei Nährstoffe.
Der Mensch gewinnt höchstens Augenringe.
Psychologen sehen Ruminieren übrigens nicht als harmlose Eigenart. Wer ständig gedanklich dieselben Sorgen, Fehler oder Befürchtungen durchkaut, erhöht das Risiko für Stress, Schlafprobleme und depressive Verstimmungen.
Oder anders gesagt:
Manche Gedanken sind wie Kaugummi.
Je länger man darauf herumkaut, desto weniger Geschmack bleibt übrig – aber los wird man sie trotzdem nicht.
Deshalb darf man sich gelegentlich an den Rat halten, den Kühe nie befolgen würden:
Einfach mal nicht wiederkäuen.
Anne Seltmann 15.06.2026, 17.48
Oh ein schönes altes Wort. Gut, ab sofort wird also mithin und fürderfort nicht mehr ruminiert :)
vom 15.06.2026, 19.21