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Tag: Fremdwörter

Sprachsalat à la carte



 

Philippika – Wenn Worte zu Donner werden

Manche Wörter klingen schon beim Aussprechen nach ihrer Bedeutung. Philippika ist so eines. Es wirkt streng, kraftvoll und ein wenig einschüchternd – und genau das ist es auch.

Eine Philippika ist keine gewöhnliche Kritik. Sie ist eine leidenschaftliche, oft scharf formulierte Standpauke oder Anklagerede, mit der jemand Missstände anprangert oder seinem Ärger unmissverständlich Luft macht.

Der Ursprung des Wortes reicht mehr als 2.000 Jahre zurück. Der berühmte griechische Redner Demosthenes hielt mehrere flammende Reden gegen König Philipp II. von Makedonien. Diese Reden gingen als Philippiken in die Geschichte ein. Später griff auch der römische Staatsmann Cicero den Begriff auf, als er seine berühmten Reden gegen Marcus Antonius ebenfalls „Philippiken nannte.

Heute begegnet uns das Wort nur noch selten. Dabei beschreibt es etwas, das jeder kennt: den Moment, in dem aus einer kleinen Beschwerde ein regelrechter Wortgewittersturm wird.

Wer also das nächste Mal hört: „Jetzt hält er wieder eine Philippika!, weiß, dass keine sanfte Meinungsäußerung folgt, sondern eine eindrucksvolle, oft wortgewaltige Abrechnung.

Ich mag solche alten Wörter. Sie tragen ihre Geschichte in sich und erinnern daran, wie lebendig Sprache sein kann. Manche geraten über Jahrzehnte in Vergessenheit – bis sie plötzlich wieder auftauchen und zeigen, dass sie nichts von ihrer Ausdruckskraft verloren haben.




Anne Seltmann 26.06.2026, 07.51 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Sprachsalat à la carte


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]



Ruminieren

Es gibt Menschen, die denken nach.

Und es gibt Menschen, die denken denselben Gedanken zum fünfzigsten Mal nach – oft nachts um halb drei.

Für dieses mentale Wiederkäuen gibt es sogar ein eigenes Wort: ruminieren.

Ruminieren bedeutet grübeln. Nicht das hilfreiche Nachdenken, bei dem man irgendwann eine Lösung findet, sondern die Art von Gedankenkarussell, bei der man immer wieder dieselbe Runde dreht.

Man denkt an das Gespräch von gestern.
An den Satz, den man besser nicht gesagt hätte.
Oder an den Satz, den man unbedingt hätte sagen sollen.

Und plötzlich sitzt man gedanklich wieder dort, obwohl die Beteiligten längst zuhause sind und vermutlich schon schlafen.

Das Wort stammt vom lateinischen ruminare und bedeutet tatsächlich: wiederkäuen.

Kühe machen das mit Gras.

Menschen machen das mit peinlichen Erinnerungen.

Der Unterschied ist: Die Kuh gewinnt dabei Nährstoffe.

Der Mensch gewinnt höchstens Augenringe.

Psychologen sehen Ruminieren übrigens nicht als harmlose Eigenart. Wer ständig gedanklich dieselben Sorgen, Fehler oder Befürchtungen durchkaut, erhöht das Risiko für Stress, Schlafprobleme und depressive Verstimmungen.

Oder anders gesagt:

Manche Gedanken sind wie Kaugummi.

Je länger man darauf herumkaut, desto weniger Geschmack bleibt übrig – aber los wird man sie trotzdem nicht.

Deshalb darf man sich gelegentlich an den Rat halten, den Kühe nie befolgen würden:

Einfach mal nicht wiederkäuen.






Anne Seltmann 15.06.2026, 17.48 | (4/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Sprachsalat à la carte


[Bild KI generiert]





Whataboutism ist die hohe Kunst, auf eine Frage zu antworten, indem man eine völlig andere stellt.  

Typisches Beispiel:

Person A:

„Wir sollten über dieses Problem sprechen.

Person B:

„Ja, aber was ist mit dem anderen Problem?

Und schon wird das ursprüngliche Thema verlassen.

Voilà: Willkommen im Land des Whataboutism.

Oder anders gesagt:

Whataboutism ist wie Tischtennis spielen, nur dass der Ball nie auf der eigenen Seite aufkommen darf.

 

Man könnte das Wort auch so beschreiben:

Statt das Schlagloch vor der eigenen Haustür zu reparieren, zeigt man auf das Schlagloch drei Straßen weiter und ruft:

„Aber das da ist viel größer!

 

Der eigentliche Trick dabei:

Es geht nicht darum, ein Problem zu lösen, sondern davon abzulenken.

 

Mein Lieblingsbild dazu:

 Whataboutism ist der rhetorische Versuch, einen Elefanten im Wohnzimmer unsichtbar zu machen, indem man auf eine Giraffe im Nachbarhaus zeigt.

 

Oder ganz kurz:

Whataboutism: Die Fähigkeit, jedes Gespräch erfolgreich in eine andere Richtung zu lenken, ohne jemals die ursprüngliche Ausfahrt zu nehmen.




Anne Seltmann 08.06.2026, 05.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Sprachsalat à la carte

[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]




Heute: Firlefanz – Das wunderbare Wort für hübschen Unsinn

Es gibt Wörter, die klingen schon beim Aussprechen so, als würden sie geschniegelt mit einer Federboa durchs Wohnzimmer tanzen. „Firlefanz gehört eindeutig dazu.

Gemeint ist damit meist:

unnötiger Schnickschnack, albernes Getue, übertriebener Aufwand oder einfach hübsch verpackter Unsinn.

Also Dinge, bei denen man leicht die Augen verdreht und gleichzeitig ein bisschen schmunzeln muss.

Das Wort selbst wirkt schon wie ein kleiner Sprachclown. Niemand sagt ernst und streng:
„Bitte unterlassen Sie diesen Firlefanz. Nein—Firlefanz stolpert eher fröhlich durchs Gespräch, wirft Glitzer in die Luft und setzt sich dann ungefragt mit an den Kaffeetisch.

Früher wurde damit oft übertriebenes Gehabe oder unnützer Zierrat beschrieben. Heute passt es eigentlich perfekt auf:

manche Social-Media-Trends,

komplizierte Küchengeräte mit 37 Programmen,

Geschenkverpackungen, die schöner sind als der Inhalt,

oder Menschen, die für einen Einkauf von drei Brötchen aussehen, als würden sie gleich die Oscarverleihung moderieren.

Und ehrlich? Ein bisschen Firlefanz macht das Leben manchmal erst schön.

Nicht alles muss praktisch sein.
Manches darf einfach glitzern, klimpern oder völlig überflüssig Freude machen.

Die Welt wäre ohne Firlefanz vermutlich ordentlicher —
aber auch deutlich langweiliger.

 




Anne Seltmann 21.05.2026, 13.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL