Tag: stört
Was stört mich – und warum?
Es gibt Dinge, die mich nicht nur für einen Augenblick ärgern. Sie beschäftigen mich länger, weil sie etwas Grundsätzliches über unseren Umgang miteinander erzählen.
Nicht, weil ich Konflikte scheue – im Gegenteil. Unterschiedliche Meinungen gehören zum Leben. Sie bringen uns weiter, wenn wir bereit sind, einander zuzuhören. Was mich jedoch abstößt, ist der Versuch, andere kleinzumachen, um selbst größer zu wirken. Stärke zeigt sich für mich nicht in Überlegenheit, sondern in Respekt.
Wir leben in einer Zeit, in der oft nur noch Überschriften gelesen werden. Es wird schnell geurteilt, selten nachgefragt und noch seltener wirklich zugehört. Dabei steckt hinter jedem Menschen eine Geschichte, die wir nicht kennen.
Nicht jeder kann jedes Leid lindern. Aber Anteilnahme kostet nichts. Ein ehrliches „Wie geht es dir? oder ein offenes Ohr können manchmal mehr bewirken als gut gemeinte Ratschläge. Es macht mich traurig, wenn Menschen mit ihren Sorgen allein gelassen werden, weil sich das Leben der anderen einfach weiterdreht.
Zusagen werden gemacht und vergessen. Nachrichten bleiben unbeantwortet. Verabredungen verlieren an Bedeutung. Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich finde, Zuverlässigkeit ist eine Form von Wertschätzung.
Ob im Straßenverkehr, im Internet oder im Alltag – manchmal scheint es wichtiger geworden zu sein, Recht zu behalten, als freundlich zu sein. Dabei kostet Freundlichkeit so wenig und verändert oft so viel.
Nicht der Wunsch, etwas Schönes ebenfalls zu haben. Sondern das Missgönnen. Warum fällt es manchen Menschen so schwer, sich ehrlich mit anderen zu freuen? Ein Erfolg wird doch nicht kleiner, nur weil jemand anderes ebenfalls erfolgreich ist.
Ich kann mit einer unbequemen Wahrheit besser umgehen als mit einer schönen Lüge. Ehrlichkeit schafft Vertrauen – auch dann, wenn sie wehtut. Unehrlichkeit zerstört es oft dauerhaft.
Vor Menschen. Vor Tieren. Vor der Natur. Vor Meinungen, die nicht den eigenen entsprechen. Respekt ist für mich keine Frage des Alters, des Berufs oder der Herkunft. Er ist eine Haltung.
Und ja – mich stört auch, dass wir oft so sehr auf das Große warten, dass wir das Kleine übersehen.
Ein Lächeln...Ein Dankeschön...Ein nettes Wort...Eine helfende Hand.
Vielleicht beginnt genau dort die Welt, die wir uns alle wünschen.
Ich glaube nicht, dass wir die Menschheit verändern können. Aber wir können entscheiden, wie wir einem einzelnen Menschen begegnen. Und vielleicht ist das am Ende viel mehr, als wir ahnen.
Denn jeder Tag gibt uns aufs Neue die Wahl:
Wollen wir Teil des Problems sein – oder Teil der Lösung?
Anne Seltmann 10.07.2026, 17.21 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL