Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Mittwoch

Mittwoch wird die Woche geteilt.




Mittwoch wird die Woche geteilt – aber stimmt das eigentlich?

Es gibt Sätze, die begleiten uns, ohne dass wir jemals darüber nachdenken. Einer davon lautet:

„Mittwoch wird die Woche geteilt.

Ich habe ihn schon unzählige Male gelesen und selbst oft verwendet. Er klingt vertraut. Fast so, als gäbe es ihn schon seit Jahrhunderten.

Aber stimmt das eigentlich?

Rein mathematisch nicht.

Eine Woche hat nämlich sieben Tage. Die Mitte liegt also nicht am Mittwoch, sondern irgendwo zwischen Donnerstag und Freitag. Und selbst wenn wir nur die klassische Arbeitswoche von Montag bis Freitag betrachten, wäre die Hälfte genau genommen erst am Mittwochmittag erreicht.

Warum also ausgerechnet der Mittwoch?

Vielleicht, weil wir Menschen Zeit nicht mit dem Taschenrechner messen, sondern mit unserem Gefühl.

Der Montag liegt noch schwer auf den Schultern. Der Dienstag gehört dem Ankommen. Und am Mittwoch stellt sich zum ersten Mal das leise Gefühl ein: Jetzt ist das Wochenende nicht mehr ganz so weit entfernt.

Aus diesem Empfinden entstand auch der Begriff Bergfest. Er stammt vermutlich aus dem Bergbau oder dem Militär und bezeichnete ursprünglich den Zeitpunkt, an dem die Hälfte einer Schicht oder eines Einsatzes geschafft war. Danach ging es sinnbildlich „bergab – also dem Ziel entgegen.

Der Mittwoch wurde so zur kleinen Verschnaufpause mitten im Alltag.

Ich mag diese Vorstellung.

Nicht, weil sie mathematisch korrekt wäre, sondern weil sie uns daran erinnert, kurz innezuhalten. Einmal tief durchzuatmen. Zu sehen, was die Woche schon gebracht hat und was vielleicht noch vor uns liegt.

Vielleicht brauchen wir solche kleinen Wegmarken.

Nicht, weil sie exakt sind.

Sondern weil sie uns Orientierung geben.

 

Und so teile ich auch weiterhin am Mittwoch die Woche – nicht mit dem Kalender, sondern mit einem Lächeln.




Anne Seltmann 22.07.2026, 06.15 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 252



Eine Möwe aus einer Zeit vor mir

Ich sortiere gerade die alten Fotos meiner Eltern.

Zwischen den vielen Aufnahmen blieb ich an einem Bild hängen: Möwen auf Usedom.

Mein Vater hat dieses Foto gemacht, als er noch ein junger Mann war. Er war damals mit meiner Mutter auf der Insel unterwegs. Ich war noch nicht geboren. Es war eine Zeit, in der ihre gemeinsame Geschichte gerade erst begann.

Während ich das Bild betrachte, frage ich mich, worüber sie damals gesprochen haben. Ob sie am Strand spazieren gingen, den Möwen zusahen oder einfach den Wind und das Meer genossen. Hatten sie schon Träume für die Zukunft? Haben sie geahnt, was das Leben für sie bereithalten würde?

Ein altes Foto ist mehr als ein eingefrorener Augenblick.

Es zeigt nicht nur, was zu sehen ist. Es erzählt von einer Zeit, die ich nur aus Erzählungen kenne – und doch gehört sie zu mir. Denn ohne diese Tage auf Usedom, ohne all die kleinen und großen Momente, die meine Eltern miteinander erlebt haben, gäbe es meine eigene Geschichte nicht.

Ich schaue auf die Möwe und sehe plötzlich nicht mehr nur einen Vogel am Meer. Ich sehe zwei junge Menschen, voller Zukunft, ohne zu wissen, welche Wege noch vor ihnen liegen würden.

Es berührt mich, dass ich heute, Jahrzehnte später, dieses Bild in den Händen halte.

Fotos können die Zeit nicht anhalten. Aber sie können sie für einen Augenblick wieder öffnen.

Und manchmal genügt eine einziges Bild mit Möwen, um sich auf eine Reise zu begeben – in eine Vergangenheit, die man selbst nie erlebt hat und die doch ein Teil der eigenen Geschichte geworden ist.

 

[Foto eingescannt und bearbeitet]



Anne Seltmann 22.07.2026, 00.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mittwoch wird die Woche geteilt


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]


Zumindest behaupten das viele Menschen mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit. Fast so, als gäbe es irgendwo ein offizielles Zeremoniell, bei dem ein mürrischer Büroangestellter mit einem übergroßen Schwert den Kalender zerteilt und feierlich verkündet:

„Die erste Hälfte ist überstanden. Der Mittwoch hat es ohnehin nicht leicht. Er ist weder so verhasst wie der Montag noch so beliebt wie der Freitag. Er steht dazwischen. Wie ein Bahnhof ohne Durchsage. Wie ein Keks ohne Schokolade. Wie ein Kaffee, den man versehentlich koffeinfrei gekauft hat.

Und trotzdem klammern wir uns mittwochs an jede kleine Hoffnung. „Nur noch zwei Tage. „Bergfest. „Das Wochenende winkt schon ganz leicht aus der Ferne. Dabei verändert der Mittwoch objektiv betrachtet gar nichts. Die Wäsche liegt immer noch herum. Der Kühlschrank enthält weiterhin nur Senf, Käse und ein mysteriöses Glas mit undefinierbarem Inhalt. Und die Zimmerpflanze sieht einen an, als würde sie langsam den Glauben an diese Beziehung verlieren. Aber der Mensch braucht offenbar Zwischenziele. Ohne sie würden wir wahrscheinlich irgendwann orientierungslos im Schlafanzug durch Supermärkte laufen und Tiefkühlpizza duzen.

Darum teilen wir die Woche. Feierlich. Innerlich erschöpft. Und mit letzter emotionaler Kraft. Der Mittwoch ist der kleine Hoffnungsschimmer der Arbeitswelt.

Ein leises: „Du hast schon die Hälfte geschafft. Und manchmal reicht genau das schon aus.




Mittwoch...



Anne Seltmann 13.05.2026, 08.45 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 251








Eigentlich habe ich ja genug Kaffeebecher...eigentlich...









Anne Seltmann 06.05.2026, 16.08 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 250



 


Zwischen dir und dem Wind

 

so viel himmel

zwischen den linien

 

die segel

halten wind

ohne ihn zu besitzen

 

weiß

gegen blau

ein gespannter zustand

 

du siehst nach oben

und verlierst

den boden

 

nicht ganz

 

nur genug

um zu ahnen

 

dass richtung

nicht festliegt

 

sondern entsteht

 

im ziehen

im nachgeben

 

im offenen

 

zwischen dir

und dem wind


~*~

© Anne Seltmann





Angelas...





Anne Seltmann 22.04.2026, 22.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 249




 

Als der Strandkorb laufen lernte

In den Anfangsjahren war der >> Strandkorb << noch ein Luxusgut.
Wer darin sitzen wollte, musste ihn nicht nur mieten – er wurde oft eigens zum gewünschten Platz getragen.

An vielen Badeorten gehörte es deshalb lange zum Strandbild, dass Angestellte morgens Dutzende Strandkörbe an den Strand schleppten, sie nach Sonnenstand ausrichteten und abends wieder einsammelten.

Später bekamen viele Modelle kleine Rollen oder wurden auf Schienen bewegt, damit man sie leichter dem Wind oder der Sonne anpassen konnte.

Und bis heute gibt es an manchen Küstenorten die Tradition, dass Strandkörbe morgens „ausgerichtet und abends wieder geschlossen werden – fast wie ein kleines tägliches Ritual.

So wurde aus einem schlichten Schutzmöbel ein Kultobjekt mit eigener Choreografie.









Anne Seltmann 15.04.2026, 06.29 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 248




Zwischen Möwen, Wasser und alten Kuttern:
mein Name.
Auf einem Schiff.
Einfach so. 
Kein Fake!






Anne Seltmann 08.04.2026, 06.23 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 247






MS „Laboe – das Schiff, das den Alltag einfach über Bord wirft

Es gibt Schiffe, die fahren. Und es gibt Schiffe wie die MS „Laboe (eigentlich eine Fähre)  – die lassen einen erstmal ankommen. Schon beim Einsteigen passiert etwas Merkwürdiges:

Der Stress bleibt irgendwie am Steg stehen. Wahrscheinlich hat er keine Fahrkarte bekommen. Kaum legt die Fähre, übernimmt der Wind das Kommando.

Haare? Egal. Frisur? Vergessen.  

Dafür gibts gratis Meeresluft und Möwen-Kommentare von oben. Man steht da, schaut aufs Wasser und denkt: „Ach… so fühlt sich also Durchatmen an. Und während die MS „Laboe gemütlich ihre Bahn zieht, merkt man plötzlich: Hier geht es gar nicht darum, schnell irgendwo anzukommen. Hier geht es darum, einfach mal nicht schnell zu sein. Das Einzige, was hier wirklich Fahrt aufnimmt, sind die Gedanken – und vielleicht die Erkenntnis, dass man viel öfter aufs Schiff steigen sollte.



 

Technisches:

Die MS „Laboe wirkt auf den ersten Blick wie ein ganz normales Ausflugsschiff. Sie ist aber eine Fähre, also kein „Schiff im klassischen Sinne einer Reise- oder Ausflugsfahrt, sondern ein Verkehrsmittel in Kiel, das Menschen gezielt von einem Ort zum anderen bringt Erst wenn sie ablegt, merkt man, dass hier etwas anders ist. Es ist leiser. Kein lautes Dröhnen, eher ein sanftes Gleiten über das Wasser.

Während man an Deck steht und auf die Förde schaut, denkt man nicht sofort an Technik. Und doch arbeitet unter den Füßen etwas ziemlich Modernes. Die Fähre fährt teilweise elektrisch und nutzt zusätzlich einen klassischen Motor. Je nach Strecke und Bedarf wechselt sie einfach zwischen beiden. Das spart Energie, schont die Umwelt und sorgt dafür, dass die Fahrt angenehm ruhig bleibt.

Man spürt davon eigentlich nur eines: Entspannung. Kein Ruckeln, kein Lärm, nur Wasser, Wind und dieses leise Gefühl, dass sich hier etwas verändert hat.

Vielleicht ist es genau das, was die MS „Laboe besonders macht. Sie bringt einen nicht nur über das Wasser, sondern zeigt ganz nebenbei, wie sich Reisen ein Stück weiterentwickelt hat.


Angelas...





Anne Seltmann 18.03.2026, 04.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 246


[Archivbild von 2006]

Die AIDAblu ist ein Kreuzfahrtschiff von Carnival Corporation & plc. Sie wurde für Fahrten unter der speziell auf den deutschen Markt ausgerichteten Konzernmarke AIDA Cruises eingesetzt. Betrieben wird sie unter italienischer Flagge durch Costa Crociere in Genua.

Das Schiff wurde als viertes von sieben nahezu baugleichen Schiffen der Sphinx-Klasse auf der Meyer Werft gebaut.

Die AIDAblu ist das zweite Schiff, das diesen Namen trägt. Ihre Namensvorgängerin wurde nach Indienststellung der AIDAdiva im Frühjahr 2007 vom Mutterkonzern zunächst für einen Einsatz unter der Marke Ocean Village neu gestrichen und schließlich, nachdem diese Marke aufgegeben wurde, im Jahr 2009 als Pacific Jewel nach Australien verlegt.

Die heutige AIDAblu ist seit 2010 Teil der AIDA-Flotte und weiterhin auf den Weltmeeren unterwegs.

Mit Platz für über 2.000 Gäste bietet sie eine Mischung aus Entspannung, Kulinarik und Unterhaltung. Besonders beliebt sind das offene Theatrium, der großzügige Wellnessbereich und die abwechslungsreichen Routen im Mittelmeer, rund um die Kanaren oder in Nordeuropa.

Im Rahmen eines Modernisierungsprogramms wird die AIDAblu technisch und optisch weiterentwickelt – sie ist also kein Neubau, aber ein aktives und gepflegtes Kreuzfahrtschiff mit Zukunft.




[ Namensnennungen...unbeauftragt und unbezahlt!]





Anne Seltmann 18.02.2026, 08.46 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Maritimer Mittwoch N° 245


[Bild KI generiert / Text © Anne Seltmann]


Thula und das Meer

 

Thula war ein kleines Wal-Mädchen mit einer Stimme, die noch nicht wusste, wie groß sie einmal werden würde. Wenn sie sang, klang es mehr wie ein Atemzug als wie ein Lied. Trotzdem liebte das Meer ihre Töne.

Thula lebte dort, wo das Wasser tiefblau wird und die Strömungen langsam erzählen. Ihre Mutter sagte immer:
„Das Meer hört zu, auch wenn es still ist.

Thula glaubte das. Sie sang dem Licht, das von oben fiel. Sie sang den schlafenden Quallen gute Träume. Und manchmal, wenn niemand hinsah, sang sie einfach nur für sich.

Doch Thula hatte eine Sorge. Die anderen jungen Wale übten große Lieder – lange, kräftige Gesänge, die weit durch den Ozean trugen. Thulas Stimme dagegen blieb klein. Zart. Fast schüchtern.

Eines Tages schwamm Thula allein hinaus, dorthin, wo die Stille größer war als die Strömung. Sie legte sich zwischen zwei alte Felsen und hörte zu. Dem Knacken des Eises in der Ferne. Dem sanften Ziehen der Gezeiten. Dem leisen Puls des Wassers.

Und dann sang sie.

Nicht laut. Nicht lang.
Nur ehrlich.

Das Meer hielt den Atem an.

Die Strömungen wurden langsamer, als wollten sie nichts verpassen. Ein Schwarm kleiner Fische blieb stehen, wie hingemalt. Sogar das Licht schien einen Moment zu verweilen.

Thulas Lied erzählte nichts von Größe oder Stärke. Es erzählte davon, wie es ist, klein zu sein und trotzdem da. Wie es sich anfühlt, seinen Platz zu suchen, ohne zu wissen, wie er aussieht.

Als Thula zurückkehrte, warteten die anderen Wale bereits. Sie hatten nichts gehört – und doch etwas gespürt. Ruhe. Wärme. Ein Gefühl von Angekommensein.

Von diesem Tag an wusste Thula:
Man muss nicht laut sein, um gehört zu werden.
Man muss nicht groß sein, um Spuren zu hinterlassen.

Und irgendwo tief im Ozean, zwischen Strömung und Stille, trägt das Meer bis heute ein kleines Lied.
Es heißt Thula.

 



Angelas...



Anne Seltmann 28.01.2026, 06.01 | (0/0) Kommentare | TB | PL